Steuern sparen durch Selbstständigkeit

Dieses Thema im Forum "Steuererklärung" wurde erstellt von MartinK, 14 März 2012.

  1. Hallo,
    In letzter Zeit geistert ein Gedanke durch meinen Kopf:
    Wie verhält es sich mit den Steuern, wenn man sich selbstständig macht?

    Angenommen ich gründe eine GmbH, nebenberuflich als Ingenieur.
    Ein paar Kunden und Aufträge würde irgendwie zusammenbekommen, zumindest ausreichend um ein Einkommen vorzuweisen.
    Jetzt kann ich doch sagen, mein privates Auto ist jetzt ein Firmenauto, sämtliche Sprit-, Steuer, -Reparatur,-Versicherungskosten kann ich von der Steuer absetzen. Ebenso mein ausschließlich gewerblich genutztes Handy sowie Notebook. Das Bürozimmer muss auch bezahlt werden. Angenommen ich gehe mit der Dame Essen, dann steht auf der Quittung nicht ob privat oder gewerblich.
    Wenn ich aus der GmbH einen Gewinn herausziehe muss ich nur 25% Kapitalertragssteuer zahlen. Außerdem muss ein Unternehmen nur Nettopreise bezahlen.

    All das sind Vorteile die man als angestellter nicht hat.
    Wo ist der Haken?

    Schöne Grüße

    Martin
     
  2. Die Nutzung des Pkw ist natürlich auch in einer GmbH nur mit dem betrieblichen Anteil möglich. Oder fährst du dann nur noch 100% betrieblich mit dem Auto? Privatnutzung ist mit 1%-Regel oder nach Fahrtenbuch anzusetzen. Schon an den Anforderungen, wie ein Fahrtenbuch zu führen ist, scheitern die meisten Unternehmer.
    Die Dame, die du bewirtest, muss eine Geschäftspartnerin sein. Besondere Formalitäten an Beleg und Aufzeichnung müssen erfüllt werden. Und auch dann sind nur 70% abzugsfähig.
    Eine GmbH ist körperschaftsteuer- und gewerbesteuerpflichtig (ohne Freibeträge).
    Es muss jedes Jahr ein Jahresabschluss (Bilanz/GuV) erstellt werden mit dazugehörigen Steuererklärungen. Die Bilanz muss veröffentlicht werden. Kannst du das nicht selber (wovon ich bei deinen Fragen ausgehe) musst du einen Steuerberater beauftragen. Der arbeitet nicht umsonst.
    Willst du zu Nettopreisen einkaufen, musst du auch Umsatzsteuer abführen. Das bedeutet in den ersten beiden Geschäftsjahren monatliche Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen.
    Überhaupt gibt es sehr viele Regelungen, die man wissen und deren Konsequenzen man kennen sollte.
     
  3. für eine GmbH fallen ordentliche Kosten bei der Gründung sowie jährlichen Bilanzierung an,
    vom inzwischen hohen Verwaltungsaufwand (Veröffentlichung etc) mal abgesehen.
    Ob sich allein dafür der Aufwand lohnt ??
    Nur für's Selbständigmachen reicht auch ein Gewerbeschein oder freiberufliche Tätigkeit,
    sonst kommt auch gleich die IHK und die BG und und..
     
  4. Dass man dir bei dem Auto schonmal den Privatanteil wieder rausrechnen wird (ggf. Fahrtenbuch führen)
     
  5. Ganz so einfach ist es nicht:
    Du wärst im Regelfall angestellter Geschäftsführer Deines Unternehmens und könntest Dir ein Gehalt zahlen. Das wäre genauso als Arbeitslohn zu behandeln, als wärest Du woanders angestellt. Dann musst Du Dir z. B. für das Firmenauto von vorneherein 1% des Bruttolisten-Neupreises pro Monat als zusätzliches Gehalt anrechnen lassen, mal abgesehen von den weiteren Feinheiten des Steuerrechts. Aus Deinem Arbeitslohn ist Lohnsteuer zu zahlen.
    Falls die GmbH Gewinn erwirtschaftet, zahlt sie Kapitalertragsteuer und evtl. Gewerbesteuer. All das muss ja erst einmal erwirtschaftet werden aus Deinen Aufträgen.
    Mach Dich erst einmal schlau - bei der IHK gibt es z. B. Existenzgründerseminare oder auch bei manchen Banken.
     
  6. Vielen Dank euch,
    mit der Unternehmensform gibt es wohl wirklich bessere Alternativen als die GmbH, zumindest zu Beginn.
    Werde mich mal bei der IHK schlau machen.
     
  7. Das schöne an der GmbH ist die Haftungsbeschränkung, im schlimmsten Fall ist das Stammkapital weg.
    Als Freiberufler bräuchte ich eine Berufshaftpflicht und die Kostet auch mal eben 1000EUR.
    Wie sieht es aus mit einer UG oder aber Mini-GmbH?
     
  8. Eine Mini-GmbH/UG ist eben auch eine GmbH mit den entsprechenden Verpflichtungen.
    Das Mindest-Stammkapital beträgt halt lediglich ein 1 €. Wie weit wird dich wohl die Beschränkung der Haftung auf 1 € bringen?
     
  9. Die 25 % Kapitalertragsteuer sind nur die halbe Wahrheit. Eine Kapitalgesellschaft zahlt auf die Gewinne 15 % Körperschaftsteuer + Solidaritätszuschlag auf die Körperschaftsteuer + Gewerbesteuer (3,5% * Gewerbesteuerhebesatz). Auf die entnommenen Gewinne entfallen zusätzlich noch 25 % Abgeltungsteuer. Somit liegt die Gesamtsteuerbelastung auf entnommene Gewinne bei knapp 50 %.

    Sicherlich bringt Dich 1 € Stammkapital nicht weit. Insbesondere im Dienstleistungsbereich brauchst Du aber auch z.T. nur wenig Kapital. Im Extremfall fallen fast nur Kosten an, die du privat ohnehin hast. Im Einzelfall kann sich dann ein Unternehmen vom ersten Tag an aus den laufenden Erträgen finanzieren, insbesondere bei einer nebenberuflichen Selbständigkeit. Die Haftungsbeschränkung ist dann in erster Linie dazu da, Dich finanziell vor unvorhergesehenen Risiken zu schützen. Bei einer so geringen Haftungssumme musst Du allerdings damit rechnen, dass viele Lieferanten Dich zumindest anfangs nur per Vorkasse beliefern.
     
  10. Hallo Martin,
    du hast zudem das Problem, dass bei einem Selbstständigen der Krankenversicherungsbeitrag von fiktiven 1800 Euro Einnahmen gerechnet werden, unabhängig davon, ob du wirklich so viel Einkommen hast. Das sind schon mal schnell 270 Euro + Pflegeversicherungskosten, die noch dazu gerechnet werden.
    Ich würde mich auf jeden Fall sehr gründlich erkundigen, bevor ich den Schritt in die Selbstständigkeit wagen würde.
    Mit bestem Gruß
    Sarah
     

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