Studium an der FUH - ein Fazit

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Liebe Kommilitonen,

nachdem ich gestern meinen Antrag auf Ausstellung meines Zeugnisses und Exmatrikulation versendet habe, möchte ich ein persönliches Fazit ziehen, sozusagen als Abschluss meines Studiums. Vielleicht kann es dem ein oder anderen auch Motivation oder sonstige Anregungen liefern. Freue mich auf Euer Feedback.

Ich habe den Masterstudiengang in WiWi in 10 Semestern Teilzeit abgeschlossen. Am Ende hat es ein wenig länger gedauert als ich ursprünglich gedacht hatte, was daran lag, dass mein Beruf mir zwischenzeitlich nur wenig Zeit zum Studium übrig ließ und ich am Ende auch ein Semester "verloren" habe, weil ich nach Fertigstellung der Masterarbeit in ein Loch fiel und keine Motivation für die letzte fehlende Klausur hatte.

Ich habe mich Ende 2008 (wow, schon lange her) mit 32 Jahren eingeschrieben, weil ich das Gefühl hatte, einige Jahre nach abgeschlossenem Erststudium im Beruf ein wenig festzustecken und nicht so recht zu wissen, wie ich mich in Zukunft weiter entwickeln wollte. Zudem standen private Veränderungen an (Geburt meiner Tochter in 2009), so dass ich neben dem Berufsleben auch mein Privat-/Freizeitleben ein wenig "neu sortiert" habe. Es ging mir also weniger darum, eine berufliche Qualifikation zu erwerben als mich sinnvoll weiterzubilden und für die Zukunft auch ein wenig breiter aufzustellen sowie eine neue (persönliche) Herausforderung zu haben. Der Master WiWi bot sich dafür als sinnvolle Ergänzung zu Erststudium und Berufstätigkeit an.

Deshalb wollte ich mir auch keinen Druck auferlegen und habe von Anfang an eingeplant, aus der Regelstudienzeit von 6 Semestern (Teilzeit) rauszufallen. Zu Beginn des Studiums habe ich nur meinen engsten Bezugspersonen von dem Studium erzählt und auch darum gebeten, nicht weiter darüber zu reden. Damit wollte ich weiteren Druck von mir halten, weil ich immer im Hinterkopf hatte, dass es sich auch um ein Experiment handelt, welches ich jederzeit abbrechen kann (obwohl ich tatsächlich nicht der Typ bin, der Dinge nicht zu Ende bringt). Auch in meinem beruflichen Umfeld war das Studium kein Thema, da ich das als reines Privat"vergnügen" betrachtet habe.

Im ersten Semester habe ich "Produktionsmanagement" und "Ökonomische Theorie der Politik" belegt, vorrangig weil für diese Module keine weiteren Vorkenntnisse gefordert waren, wie es bei den meisten anderen Modulen (mit Bezug auf die A- und B-Module) der Fall war. Ich habe dann eine Weile gebraucht, überhaupt in einen Lernmodus zu kommen und schnell festgestellt, dass 2 Module für das erste Semester zu viel waren, so dass ich mich auf "Produktionsmanagement" konzentriert habe (und "Ökonomische Theorie der Politik" auch danach nicht abgeschlossen habe). Einige Wochen vor der Klausur ging mir dann auf, dass es zeitlich selbst mit dem einen Modul doch eng werden könnte (auch weil mit Geburtsvorbereitung etc. andere Themen höhere Priorität hatten). Glücklicherweise habe ich dann die Klausurvorbereitungsveranstaltung besucht, die mich in einen echten Lernmodus versetzt hat, so dass ich zumindest die eine Klausur erfolgreich bestreiten konnte. Zudem hatte ich verschiedene Veranstaltungen der FernUni besucht, um die Arbeitsweise kennen zu lernen.

Für das zweite Semester habe ich dann eine neue Strategie versucht und zunächst zwei B-Module ("Finanzwirtschaft: Vertiefung" und "Informationsmanagement") belegt, in der Hoffnung, dass dafür meine Vorkenntnisse ausreichen würden und insbesondere, dass beide in meinem direkten Interessengebiet liegen und damit meinem Studium eine Richtung geben würden. Zudem habe ich noch Finanzwirtschaft: Grundlagen belegt, um ggf. fehlende Vorkenntnisse dort nachholen zu können. Dabei stellte sich heraus, dass die geforderten Vorkenntnisse oftmals nicht derart tief gehen, als dass diese nicht während des Studiums durch fallweise Parallel-Lektüre aufgeholt werden könnten. Die zweite wichtige Erkenntnis in diesem Semester war, dass es Module gibt, die wirklich sehr gut geschrieben sind und sich dementsprechend leicht lernen lassen (das gilt nach meinem persönlichen Empfinden z. B. für die Kurse von Bitz und Littkemann). Andere Module hingegen sind schlecht geschrieben, langatmig und/oder trocken. Das mag aber auch immer mit den persönlichen Präferenzen zusammen hängen. Für mich traf das z. B. zu auf "Informationsmanagement" (obwohl ich "IT Governance" wieder gut fand) und auf die Kurse von Hering. Natürlich habe ich auch in diesem Semester am Ende nur eine Klausur absolviert ("Finanzwirtschaft: Vertiefung"), daraus aber viel Motivation gezogen, da das thematisch genau in die richtige Richtung ging.

Im dritten Semester habe ich es dann tatsächlich geschafft, zwei Module abzuschließen ("Konzerncontrolling" und "Finanz- und bankwirtschaftliche Modelle"). Das lag allerdings im Wesentlichen daran, dass ich zu der Zeit meinen Job gekündigt hatte und in den letzten Wochen tatsächlich weniger zu tun hatte (bzw. mein Engagement ein wenig zurückgefahren habe). Allerdings fiel zumindest das Ergebnis der zweiten Klausur schlechter aus, als ich erhofft hatte. Das brachte mich zu der weiteren Erkenntnis, dass man Klausuren auch halb vorbereitet angehen kann, dann aber eben mit dem schlechteren Ergebnis (oder gar der Ungewissheit, ob man bestanden hat) leben muss. Zudem lernt man dann wohl nicht so viel. Was weiterhin sehr hilfreich war und ich für alle Module letztlich auch durchgezogen habe, war der Besuch von Mentoriaten. Diese waren unterschiedlich aufgebaut, von einer reinen Klausurvorbereitung, bei der Aufgaben gerechnet wurden, bis zum Schnelldurchlauf durch den kompletten Stoff des Moduls. Hilfreich fand ich tatsächlich alle diese Veranstaltungen und oftmals auch inspirierend, so dass ich mich oft darauf gefreut habe, nach Feierabend oder am Wochenende daran teilnehmen zu dürfen. Gerade weil man im Fernstudium überwiegend auf sich allein gestellt ist, habe ich es als wichtig empfunden, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wonach in den Klausuren gefragt werden könnte und auch die Möglichkeit offene Fragen direkt mit einem Ansprechpartner klären zu können. Darüber hinaus ist natürlich auch der direkte Austausch mit anderen Kommilitonen oftmals hilfreich und die kann man auch in den Mentoriaten kennenlernen.

Im vierten Semester habe ich dann das Modul "IT Governance" abgeschlossen, was sich auch gut mit meinem neuen Job ergänzt hat. In der Bewerbung hatte ich auch mein Studium genannt, was aber letztlich keine Rolle für meine Einstellung gegeben haben dürfte. Was sich aber in der Folge rausstellt ist, dass der Job zunehmend anspruchsvoller wird (auch zeitlich), so dass ich für die weiteren Semester mir weiterhin nur jeweils eine Klausur zumuten möchte. Zudem liegt die Hauptbelastung im Job eher im Sommersemester, so dass ich das Seminar und die Masterarbeit für die kommenden Wintersemester einplane.

Im fünften Semester absolvierte ich das Modul "Rechnungslegung und Gewinnermittlung" und ergatterte einen Platz für ein Seminar im sechsten Semester. Meine erste Bewerbung am Lehrstuhl Littkemann (Controlling) war leider nicht erfolgreich. Da der Lehrstuhl sehr beliebt ist und meine Note in "Konzerncontrolling" nur befriedigend war (s. o.) beschloss ich es an einem anderen Lehrstuhl zu versuchen und bin dann bei PD Vincenti am Lehrstuhl Hering fündig geworden. Das Themengebiet "Börsengang von Unternehmen" passte gut zu meinen Interessen und im Nachhinein muss ich sagen, dass die Betreuung (inhaltlich und methodisch) und Bewertung einwandfrei waren und ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Für das sechste Semester belegte ich auch die Module des Lehrstuhls ("Unternehmensgründung" und "Investitionstheorie/Unternehmensbewertung"), die ich am Ende aber beide nicht abgeschlossen habe, weil diese zwar inhaltlich interessant sind, aber für mich eher schwer zu lesen/verstehen waren und ich mich am Ende immer für andere Module entschieden habe.

Die Seminararbeit über 8 Wochen war eine gute Vorbereitung auf die Masterarbeit und für mich eine willkommene Abwechslung, mal wieder etwas "eigenes" zu schreiben. Da ich auch mein Wunschthema bekommen hatte, welches mich auch privat sehr interessierte, fiel es mir umso leichter, dafür lange Winterabende aufzubringen. Die Seminarveranstaltung verlief in angenehmer und entspannter Atmosphäre mit Kommilitonen, die sich überwiegend in einem ähnlichen Abschnitt des Studiums aber auch der beruflichen Findung/Eingespanntheit befanden. Diese beiden Tage waren tatsächlich auch die einzigen Tage, die ich im Gebäude der Fernuni in Hagen verbracht habe. Zwar fanden noch einige andere Veranstaltungen in Hagen statt, aber in anderen Räumlichkeiten. Das war auch ein spannender Aspekt des Fernstudiums, in den Mentoriaten viele verschiedene Studienzentren (in NRW) kennenzulernen. Die Bandbreite ist dabei doch recht groß: vom zugigen Klassenzimmer einer Schule in Euskirchen ohne weitere Uni-Infrastruktur bis zu modernen Studienzentren mit gut ausgestatteten Veranstaltungsräumen in Innenstadtlage wie z. B. in Neuss oder Leverkusen. Insgesamt habe ich 10 Räumlichkeiten in 8 Städten kennengelernt.

Im siebten Semester habe ich dann das Modul "Internationales Management" abgeschlossen und plangemäß einen Platz für die Masterarbeit bei PD Vincenti im folgenden Wintersemester erhalten. Das Thema haben wir zusammen entwickelt (es ging um den Aktienmarkt) und die Literaturrecherche konnte ich entsprechend frühzeitig starten. Die zwanzig Wochen der Bearbeitungszeit brachten viele Bibliotheksbesuche und insbesondere Online-Recherche mit sich, um nachher annhähernd 100 Quellen in der Arbeit unterzubringen. Gut waren die Freiheiten, die mir bei der Arbeit gelassen wurden. So war ich nicht auf die vorgegebenen 50 Seiten beschränkt, sondern sollte so viel schreiben, wie mir sinnvoll einfiel und wie es zeitlich möglich war. Die Gefahr dabei besteht natürlich, sich zu verzetteln und vom Thema abzukommen. Diese Gefahr konnte durch mehrfache Durchsprache der Gliederung und offener Fragen abgewendet werden, so dass ich am Ende des achten Semesters eine gelungene Masterarbeit abgegeben habe, die auch nach wenigen Tagen bereits begutachtet und benotet war.

Die über fast ein halbes Jahr aufgewendeten geschätzten insgesamt 400-500 Arbeitsstunden (neben den üblichen 45-50 Stunden im Job) ließen mich nach Abgabe der Masterarbeit in ein tiefes Loch fallen. So konnte ich mich im neunten Semester in keiner Weise dazu aufraffen, das letzte zum Abschluss noch fehlende Modul zu absolvieren. Irgendwann beschloss ich, dass es dann halt noch ein Semester länger dauern würde, was sich im Nachhinein auch als gute Entscheidung herausstellte, da ich somit als letztes fehlendes Modul "Innovationscontrolling" im zehnten Semester absolvieren konnte, welches mir noch einmal gut gefiel.

Während der letzten beiden Semester überlegte ich fortlaufend, wie ich den weitermachen will nach Abschluss des Studiums, da ich der Überzeugung bin, dass ein fortlaufendes Lernen Teil meiner Persönlichkeit ist und ich "irgendwie" weitermachen muss. Den Gedanken, weitere Module zu belegen (man kann im Masterstudiengang WiWi 10 Module statt der erforderlichen 8 abschließen), habe ich verworfen. Weder kann ich an meiner Abschlussnote groß etwas verbessern, noch habe ich momentan die Motivation weitere Module zu absolvieren (obwohl einige Themen durchaus sehr interessant wären), sondern möchte nun auch einen Abschluss "in der Tasche" haben. Also habe ich mir (fast) alle anderen Studiengänge der FernUni (deren Konzept und Qualität mich wirklich überzeugt hat) angeschaut, um zu sehen, was ich sinnvollerweise noch machen kann. So richtig passt davon allerdings nichts zu meinem beruflichen Weg. Und für einige Studiengänge fehlen mir wohl auch die Zugangsvoraussetzungen. Zudem halte ich es im Leben nicht für ganz unwesentlich, sich (zumindest in einzelnen Lebensphasen) auf bestimmte Themen zu konzentrieren und nicht zu viel auf einmal zu machen (so bedauerlich es auch ist: man kann nicht alles wissen). Also habe ich für mich (für´s erste) entschieden, mich exmatrikulieren zu lassen und in der nächsten Zeit mit vielen Büchern und ein paar Onlinekursen "über Wasser" zu halten. Offenbar mit ein wenig Bedauern, wie man herauslesen kann.

Ich blicke auf eine interessante Zeit zurück, in der ich vieles gelernt habe und bin stolz demnächst mein Abschlusszeugnis der FernUni zu erhalten. Die Qualität der Lehre halte ich für gut, wenn auch anders als an Präsenzuniversitäten. Die Motivation der Studenten ist m. E. das herausragende Qualitätsmerkmal der FernUni-Absolventen.

Danke für´s Lesen,
dumg97