Bachelor of Laws nach FH-Studium ö.D.?

#1
Hallo,

ich bin derzeit am überlegen, ob ich noch einmal studiere... Ich bin inzwischen 28 Jahre alt, zwei Kinder und habe vor 4,5 Jahren einen Bachelor Abschluss an einer Fachhochschule für den öffentlichen Dienst gemacht. Bin zurzeit Beamter auf Lebzeit und in A10. Meine derzeitge Arbeit macht mir eigentlich sehr viel Spaß, aber fordernd finde ich sie nicht. Des Weiteren sind die Aufstiegschancen sehr gering und ich möchte ungerne noch weitere fast vierzig (!!) Jahre in A10 verweilen. Deswegen denke ich darüber nach in Teilzeit nebenher zu studieren mit dem Ziel irgendwann mit dem LL.M. abzuschließen und zumindest ein Gehalt vergleichbar A13 zu verdienen?! (Ist das überhaupt realistisch mit dem LL.M.?) Meint ihr das ganze macht überhaupt Sinn? Ich werde bis zum Ende des Studiums wahrscheinlich schon Ende dreißig sein? Hat irgendjemand hier einen ähnlichen Weg bestritten?

Danke und schöne Grüße!
 
#2
Hallo skyliner!

Deine Frage ist zwar schon etwas älter, aber vielleicht helfen Dir meine Erfahrungen trotzdem noch? Eventuell auch dem einen oder anderen mit einer ähnlichen Frage?

Mein Hintergrund: Nach einer handwerklichen Ausbildung und ein paar Jahren Berufspraxis habe ich das Abi nachgeholt, mich für das Verwaltungsmanagement-Studium ("Dipl.-Verwaltungswirt (FH)") beworben und wurde eingestellt. Nach drei Jahren Dipl.-Studium bin ich bei einer Bundesoberbehörde gelandet. Nachdem ich richtig im Job und im neuen Leben angekommen war, hatte ich Lust auf etwas neues und habe mir den LL.M. an der FUH angesehen. Leider sagten mir die Jungs und Mädels im Regionalzentrum, dass mein Dipl.-Verwaltungswirt nicht für den Master ausreicht, ich könne aber gerne den Bachelor-Studiengang belegen.
Das wollte ich einfach mal ausprobieren und habe mich nach einigem Überlegen immatrikuliert. Mein Ziel war dann aber nicht "Aufstieg" oder "Ich muss unbedingt den Master erreichen", sondern eher "Ich schau mir das alles mal in Ruhe an und vertiefe die Wissensbereiche, die mich persönlich wirklich interessieren" - halt ein klassisches Studium wie es früher mal war: Weg von der ökonomischen "Was nutzt mir das im Geldbeutel und was bringt das meinem Dienstherrn", hin zur klassischen "Was bringt mich als Mensch weiter" Betrachtung. Morgen schreibe ich die erste Klausur des dritten Semesters.

Lange Vorrede, meine kurzen Tipps und Hinweise für Dich:

  1. Grundsätzlich ist die Idee, noch mal zu studieren nie verkehrt. Du kannst im Prinzip nur gewinnen - die Studiengebühren sind für Berufstätige lächerlich gering und Deinen Zeit- und Materialinput steuerst Du selbst. Im Gegenzug wirst Du größtenteils Respekt und Anerkennung für Dein Engagement und die geleistete Arbeit erhalten. Wie oft höre ich: "Was, Du studierst neben Familie und Beruf? Also DAS könnte ich nicht, respekt!". Das wirkt sich auch im Beruf auswirken. Nebenbei zu studieren zeigt Durchhaltevermögen, Engagement und Belastbarkeit.
  2. Das Studium kann manchmal belastend sein. Darüber musst Du Dir klar sein. Anfangs war ich mir sicher: Das ist mein Baby und damit muss in allererster Linie ICH klarkommen. Das ist auch so. Ich habe da aber trotzdem meine Familie mit reingezogen: Weil ich zu bestimmten Terminen ins Regionalzentrum oder zur Klausur muss. (Letztes Jahr: Mitten an unserem Hochzeitstag. Das war ganz schön blöd!). Weil ich eben auch mal am Wochenende lernen muss. Weil meine Frau mich dann nicht stören will, obwohl sie eigentlich irgendwas von mir braucht/will. Weil schon wieder irgendwo Studienunterlagen rumfliegen. Und, und, und. Das habe ich Anfangs enorm unterschätzt und die Duldsamkeit meiner Frau total überschätzt.
  3. Wenn Du für den Aufstieg studieren willst: Beim Bund gibt`s den Master of public administration-Studiengang. Evtl. bieten die Landes-FHöV`s entsprechendes an? Vorteil wäre, dass Du da direkt den Aufstieg in den HD mitmachen könntest.
  4. Wenn Du für den Aufstieg studieren willst: Der LL.M. allein gibt meistens noch nicht die Laufbahnbefähigung. Oft muss man noch weitere Anforderungen erfüllen. Mach Dich schlau!
  5. A 13 - und was dann? Du sprichst von der Angst, ewig A10 zu bleiben. Ich fände das auch furchtbar. Scheinbar ist das Probleme Eure Planstellenausstattung. Würde das im hD grundsätzlich anders aussehen? Oder hast Du in 10 Jahren das Gefühl "Mein Gott, noch 30 Jahre A13 / A14"? Unabhängig vom Studium würde ich mir aktiv mehr Motivatoren suchen. Geld ist ja nicht alles!
  6. Du hast Angst, beim Studienende Ende 30 zu sein? Ja und? Du wirst ja mit Sicherheit noch bis 67, wahrscheinlich eher viel, viel länger dienen dürfen. Da ist Ende 30 ja wirklich kein Alter. "Lebenslanges Lernen" heißt die Devise
  7. Ich kann letzten Endes Zusammenfassen:
    1. Probier es doch einfach mal aus
    2. Wenn Du den ganzen Aufwand nur für ein paar Euro mehr im Monat betreiben möchtest: Ich bin mir nicht sicher, ob sich das wirklich lohnt. Im öffentlichen Dienst gibt es eben immer eine Grenze nach oben. Ob die jetzt bei A8, A9, A10, A13g, A14 oder A16 liegt, ist eigentlich nicht weiter von Belang - wir alle erreichen die so oder so. Und das bisschen mehr an Geld motiviert Dich drei Monate, danach ist es normal und Du willst wieder mehr. Isso ;-)
Soweit - Viele Grüße und viel Spaß!
Guitarhead
 
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