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Die Taylorregel in der Praxis

  • Ersteller krid
  • Erstellt am
Die Taylorregel ist Thema im Kurs Geldpolitik: es zeigt sich, dass diese Regel die tatsächliche Geldpolitik der US-Zentralbank Fed ganz gut abbildet. Zurzeit müsste die Rate aber negativ sein: der ideale Zinssatz liege bei -5%, berichtet die Financial Times...
 
dieser Bericht ist in der Tat hochinteressant, und wird in diversen Blogs auch kontrovers diskutiert; so z. B. in
> Geht das: Zinsen unter Null? | Blick Log
> Professorale Sumpfblüten - zeitenwende.ch
> FT.com | Willem Buiter's Maverecon | Negative interest rates: when are they coming to a central bank near you? .

Nur reichte leider meine Zeit bzgl. der Auseinandersetzung mit diesem Thema nur dazu, diverse Links zu horten. Wer mehr über Taylor-Regel & Co. erfahren möchte, dem kann ich gerne mal ein paar Links zukommen lassen - bitte PN.

Nun etwas in eigener Sache zum Thema "Taylor Regel". Ich beackere gerade den Artikel von Woodford (2001), wo die Taylor-Regel auf Praxisrelevanz geprüft wird. So wird u. a. untersucht, inwieweit sich die Stabilisierungsziele einer Zentralbank per Beachtung dieser Regel erreichen lassen. Hier jetzt sämtliche Ergebnisse zu subsumieren wäre langatmig, und könnte evtl. für mich zu Problemen führen, da es meine Diplomarbeit betrifft. Ich möchte lediglich mal absichern, ob ich den Herrn Woodford wirklich richtig verstanden habe, wenn ich die folgende Passage so übersetze:

"4 Responding to Variation in the Natural Rate of Interest

We turn now to the question of whether simple feedback from current measures of inflation and the output gap, of the kind prescribed by the Taylor rule, represents a desirable approach to the goal of stabilizing those variables. In at least one simple case, the answer is yes. Suppose that the monetary transmission mechanism is described by (2.1) { (2.2), the objective of policy is described by (3.1) { (3.2), both inflation and the output gap are observed with perfect precision, and a relation of the form (2.3) can be made to hold with perfect precision at all times. Then there is no conflict between the goals of inflation stabilization and output gap stabilization, since by (2.2), complete stabilization of inflation implies complete stabilization of the output gap as well. The optimal equilibrium thus involves a constant inflation rate (zero) and a constant output gap (also zero) at all times. One also observes that it is possible in principle to bring about a determinate equilibrium arbitrarily close to this one through commitment to an interest-rate rule with a constant intercept i, as assumed in Taylor's classic formulation. One simply needs to make the coecients and/or y extremely large. Then in the determinate equilibrium,
fluctuations in the variable to which the response is extremely strong must be negligible; and since stability of either target variable implies stability of the other, both inflation and the output gap must be stabilized.
" (Woodford, 2001)

Meine Übersetzung:

Wir kommen nun zu der Frage, ob eine simple Feedback-Regel auf gegenwärtiges Ausmaß der Inflation und Produktionslücke, der Art wie sie durch die Taylor-Regel beschrieben wird, eine wünschenswerte Annäherung an das Ziel der Stabilisierung dieser beiden Variablen darstellt. In wenigstens einem Fall lautet die Antwort, ja. Angenommen der monetäre Transmissionsmechanismus wird durch die Gleichungen (2.1) – (2.2) (dies sind die IS und AS Gleichung) beschrieben, das Augenmerk der Politik richtet sich auf Gleichungen (3.1) – (3.2) (dies sind Verlustfunktion und der Erwartungswert darüber); beides, Inflation und Produktionslücke, können zu jeder Zeit perfekt beobachtet werden, und eine Beziehung (2.3)

{i(t) = i(t)*+0(pi)[pi(t)-pi*] + 0(y)[y(t) - y(t)^n - x*] m. x* als Zielwert für die Produktionslücke}


gilt zu jeder Zeit mit absoluter Genauigkeit. Wenn dies so ist, dann existiert kein Konflikt zwischen den Zielen der Inflations- und Produktionslückenstabilisierung, da per (2.2) eine vollständige Inflationsstabilisierung immer auch eine vollständige Stabilisierung des Gaps bedeutet. Das optimale Gleichgewicht liegt somit zu jeder Zeit bei einer konstanten Inflation von Null und einer Produktionslücke ebenfalls in Höhe Null. Man kann zudem beobachten, dass es im Prinzip möglich ist, ein willkürlich determiniertes Gleichgewicht durch eine Verpflichtung auf eine Zinsregel mit konstantem Intercept i*, so wie in Taylor´s klassischen Formulierung angenommen, nahe an diesem Optimum zu bewirken. Man muss lediglich die Koeffizienten 0(pi) und/oder 0(y) extrem groß wählen. Dann ist im determinierten Gleichgewicht die Abweichung der Zielvariable, für die die Reaktion extrem stark ist, unbedeutend; und somit impliziert Stabilität einer Zielvariable auch Stabilität der anderen.

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So, wer bisher noch den Nerv hatte, mir zu folgen, der ist interessiert an dem Thema, und kann mir vielleicht folgen, wenn ich folgenden Konflikt in den Ausführungen von Herrn Woodford bemerke.


Wenn er hier von Konflikten zwischen Stabilisierungszielen spricht, dann meint er doch den klassischen Tradeoff der Geldpolitik, oder?! Er sagt nun, diesen kann man beseitigen, indem die Koeffizienten für das Gewicht von Inflationsterm und Outputterm in der Formel 2.3 nur groß genug gewählt werden. Dazu könnte einer oder sogar beide Koeffizienten groß gewählt werden :eek:. Wie passt das? Sind denn nicht die Koeffizienten in Summe "1", so wie es auch in der Verlustfunktion immer der Fall ist?


Zum letzten Abschnitt dann konkret: Wenn also nun z. B. der Inflationsterm alleine ein hohes Gewicht per großen Koeffizienten 0(pi) bekommt, dann werden doch Schwankungen sehr rigide von der ZB bekämpft. Das impliziert doch i. d. R. für den Output eine gerade entgegengesetzte Wirkung. Es gilt doch in gängiger Literatur immer, dass eine inflationsaverse Geldpolitik starke Beschäftigungsschwankungen / Outputschwankungen zur Folge hat. Jetzt schreibt Woodford aber genau das Gegenteil. Er führt an, dass eine per hohen Koeffizienten anvisierte Preisniveaustabilität gleichzeitig Outputstabi bringt. Dem kann ich jetzt mit meiner Vorbildung nicht folgen! Ihr?


Ich freue mich schon auf eine anregende Diskussion dazu!


Viele Grüße
Bolle




 
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