Klausur SS 2012 - Aufgabe 1

#1
Hallo zusammen,

ich habe gerade mal versucht, die Klausur von September 2012 zu lösen und würde gerne die Aufgabe 1 mit euch diskutieren.

Die ZB erhöht die Inflationsrate, ohne dies anzukündigen => Was sind die gesamtwirtschaftlichen Effekte daraus?

Ich habe 2 Lösungsansätze:

1. Mein erster Gedanke war, dass die WiSu von Anfang an die höhere Inflationsrate erwartet haben, obwohl die ZB diese nicht angekündigt hat. Sie haben antizipiert, dass die ZB einen Anreiz hat, durch eine höhere Inflation die Arbeitslosigkeit zu senken, sodass der Anstieg der Inflationsrate – trotz fehlender Ankündigung – nicht überraschend war. Entsprechend haben sie von Anfang an höhere Lohnforderungen gestellt. Der Reallohn bleibt somit nach Anhebung der Inflation unverändert. Deshalb ergibt sich kein Effekt auf die Höhe der Arbeitslosigkeit.

2. Nach weiterem Überlegen erscheint mir dieser erste Löungsansatz doch nicht so plausibel, denn der Inflationsbias müsste ja in den Vorperioden auch schon bestanden haben, sodass eine weitere Erhöhung der Inflation wohl doch nicht vorhersehbar war. Insofern werden die WiSu von der Anhebung der Inflationsrate überrascht => Ihre Nominallohnforderungen steigen unterproportional zur Inflation => Reallohn sinkt => Arbeitslosigkeit sinkt unter das natürliche Niveau. Dies gelingt aber nur kurzfristig. In den Folgejahren erwarten die WiSu eine entsprechend erhöhte Inflation. Nur noch weitere überraschende Anhebungen der Inflationsrate könnten die Arbeitslosigkeit unter das natürliche Niveau senken. Langfristig liegt die Arbeitslosigkeit also wieder auf dem natürlichen Niveau und die Inflationsrate ist insgesamt höher.

Was meint ihr?

Ich freue mich auf eine Diskussion.

Beste Grüße

Wolfgang
 
#2
deine 2. Lösung passt gut auf die Frage, denk ich - zur Aufgabe würde m.E. noch gehören, das Zeitinkonsistenzproblem etwas ausführlicher zu beschreiben und auf die Schadenfunktion mit Phillipskurve einzugehen! Mit der Phillipskurve könnte man auch Anpassungsweg bis zum Nash-Gleichgewicht darstellen.
Je nach zeitlicher Situation in der Klausur könnte man noch kurz auf Lösungsmöglichkeiten der Zeitinkonsistenztheorie eingehen - hier gehts ja v.a. darum, dass eine Regelpolitik eingeführt werden muss, um eine zu hohe Inflationsrate zu vermeiden.
 
#3
wobei mir grad noch auffällt, dass du oben von autoregressiver Erwartungsbildung ausgehst und nicht von rationaler Erwartungsbildung, oder?
In den Folgeperioden werden die WiSu doch erwarten, dass die ZB wieder ein Täuschungsmanöver versuchen wird und ihre Erwartungen gleich stark erhöhen...um einen zu großen Schaden zu verhindern, wird die ZB dann nicht mehr über die Erwartungen der WiSu hinaus die Inflation erhöhen - langfristig kommt es somit wieder zu einem non-trade-off!
 
#4
Hi,

danke für deine Rückmeldung.

Ich dachte eigentlich schon, dass ich von rationaler Erwartungsbildung ausgehe. Mein Gedanke war folgender: im ersten Jahr gelingt es der ZB, die AL unter das natürliche Niveau zu senken, weil den WiSu nicht bekannt war, dass die ZB plötzlich eine höhere Inflation akzeptiert als bisher (darin sind wir uns einig, oder?).

In den Folgejahren aber wissen die WiSu, dass sich die Schadensfunktion der ZB geändert hat, dh. dass die ZB tendenziell eine niedrigere AL bei einer erhöhten Inflation optimal findet. Damit erwarten sie in den Folgejahren die Inflation, die auf Basis der neuen Schadensfunktion der ZB die maximale Inflation ist, dh. bei der jede weitere Erhöhung der Inflation den Verlust der ZB mehr steigern würde als sie durch den Abbau der AL gewinnen würde. Diese Inflation wird die ZB auch realisieren. Am Ende liegt die AL dann wieder auf dem natürlich Niveau, die Inflation ist aber höher als vor der unangekündigten Inflationsanhebung.

Was meinst du, ist das vereinbar mit rationaler Erwartungsbildung?

Beste Grüße

Wolfgang
 
#5
hey,
ja, so wie du das jetzt schreibst, stimme ich dir zu ;-)
War oben nur verwirrt von dem "weiteren Schock", den du eingebaut hattest, denn den wird es ja aufgrund der rationalen Erwartungen so nicht geben!
Gruß
Antje
 
#6
Hallo Antje,

danke für deine Rückmeldung... Wie würdest du denn die folgende Klausurfrage beantworten: "Die ZB kündigt eine Senkung der Inflationsrate an. Kurzfristig und ohne es anzukündigen entscheidet sie sich doch anders und führt die Senkung doch nicht durch" (ich weiß im Moment nicht, welche Klausur das nochmal war)?

Das Marx-Skript (hast du wahrscheinlich auch, oder?) löst es, vereinfacht gesagt, wie folgt: Die WiSu haben der Ankündigung geglaubt und niedrigere Nominallöhne gefordert => Dadurch, dass die Senkung der Inflation dann doch nicht erfolgt, kommt es zu einem Rückgang der Reallöhne. => Dadurch sinkt kurzfristig die Arbeitslosigkeit unter die natürliche Rate. In Folgejahren erkennen die WiSu aber, dass die ZB eine höhere Inflation anstrebt als sie ankündigt, sodass ihr die WiSu in Zukunft nicht mehr glauben.

Ich halte diese Lösung für falsch. M.E. hätten WiSu mit rationalen Erwartungen der Ankündigung der ZB von Anfang an nicht geglaubt. Sie hätten also trotz der Ankündigung der ZB, die Inflation zu senken, keine Änderung der Nominallöhne verlangt. Wenn die ZB schließlich (erwartungsgemäß) die Inflation nicht senkt, ändern sich die Reallöhne nicht, und die Arbeitslosigkeit bleibt auch auf der Höhe des natürlichen Niveaus.

Was meinst du?

Viele Grüße

Wolfgang
 
#7
Hallo Antje,

danke für deine Rückmeldung... Wie würdest du denn die folgende Klausurfrage beantworten: "Die ZB kündigt eine Senkung der Inflationsrate an. Kurzfristig und ohne es anzukündigen entscheidet sie sich doch anders und führt die Senkung doch nicht durch" (ich weiß im Moment nicht, welche Klausur das nochmal war)?

Das Marx-Skript (hast du wahrscheinlich auch, oder?) löst es, vereinfacht gesagt, wie folgt: Die WiSu haben der Ankündigung geglaubt und niedrigere Nominallöhne gefordert => Dadurch, dass die Senkung der Inflation dann doch nicht erfolgt, kommt es zu einem Rückgang der Reallöhne. => Dadurch sinkt kurzfristig die Arbeitslosigkeit unter die natürliche Rate. In Folgejahren erkennen die WiSu aber, dass die ZB eine höhere Inflation anstrebt als sie ankündigt, sodass ihr die WiSu in Zukunft nicht mehr glauben.

Ich halte diese Lösung für falsch. M.E. hätten WiSu mit rationalen Erwartungen der Ankündigung der ZB von Anfang an nicht geglaubt. Sie hätten also trotz der Ankündigung der ZB, die Inflation zu senken, keine Änderung der Nominallöhne verlangt. Wenn die ZB schließlich (erwartungsgemäß) die Inflation nicht senkt, ändern sich die Reallöhne nicht, und die Arbeitslosigkeit bleibt auch auf der Höhe des natürlichen Niveaus.

Was meinst du?

Viele Grüße

Wolfgang​
 
#8
hey Wolfgang,

gute Frage...wenn man davon ausgeht, dass die WiSu (ex ante) erst mal Pi = Pi (e) annehmen, dann wäre quasi die erste Lösung richtig.
Allerdings heißt es auch, dass die Zeitinkonsistenztheorie selbst einen kurzfristige Trage-off bestreitet, wenn ich das grad richtig im Kopf habe? Dann könnte man höchstens davon ausgehen, dass das "nicht an die angekündigste Inflationsrate halten" wie ein Schock wirkt, der nicht erwartet werden konnte?!?

Kannst du vllt mal eine Mail an den Lehrstuhl schreiben und die Frage stellen? Ist ja schon eine ziemlich elementare Frage...

Gruß
Antje
 
#9
Hallo,
also ich interpretiere die "ZB kündigt an..."-Aufgaben so:
1.Ankündigung der ZB
2.Erwartungsbildung
3. Handlung der ZB

wenn da steht: "glaubwürdig", "setzt auch um" oder ähnliches, dann hält sich die ZB an ihre Ankündigung
steht da aber "überraschend", "ohne Ankündigung" heißt das für mich, die ZB weicht von ihrer Ankündigung ab und täuscht die WiSu
In der ersten Periode wird die Ankündigung geglaubt, dann tritt erst der "Lerneffekt" ein.

Meiner Meinung ist das nur eine etwas andere Art von "die ZB erhöht die Inflationsrate, ohne dies vorher anzukündigen",denn die wirtschaftlichen Effekte sind die gleichen.
 
#10
Meiner Meinung ist das nur eine etwas andere Art von "die ZB erhöht die Inflationsrate, ohne dies vorher anzukündigen",denn die wirtschaftlichen Effekte sind die gleichen.
Genau das, denke ich, ist der Unterschied zwischen den beiden Fragen.

Wenn die ZB die Inflationsrate erhöht, ohne es anzukündigen, dann konnten die WiSu ja gar nicht vorhersehen, dass die ZB etwas ändern wird. Es gab keine Anhaltspunkte, weshalb die ZB plötzlich eine andere Inflation anstreben würde, bzw. weshalb sich plötzlich die Verlustfunktion der ZB geändert haben sollte. Die ZB realisiert seit Jahren eine bestimmte Inflationsrate Pi, und es gibt keine Hinweise, dass in der nächsten Periode plötzlich eine Inflation von Pi + x realisiert wird.

Der andere Fall ist, dass die ZB schon immer eine Inflation von Pi realisiert und dann ankündigt, dass sie von nun an eine Inflation von Pi - x anstrebt. Dann werden sich die WiSu im Rahmen ihrer Erwartungsbildung überlegen, ob diese Ankündigung glaubhaft ist. Und wie ich das Zeitinkonsistenzproblem verstehe, werden die WiSu einer solchen Ankündigung nicht glauben (solange es keine institutionellen Vorkehrungen gibt, z.B. Austausch der ZB-Leitung o.ä.). Genau das ist doch eigentlich die Aussage des Zeitinkonsistenzproblems: Die ZB könnte theoretisch durch eine Abweichung von ihrer Ankündigung die Arbeitslosigkeit unter das natürliche Niveau senken, wenn ihr die WiSu glauben. Weil ihr die WiSu aber nicht glauben, kommt es nicht zu diesem Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Was meint ihr?
 
#11
PS: Es gab auch schon 2 mal in der Klausur die Frage "Die ZB kündigt an, zukünftig sich verstärkt auf die Stabilisierung des Preisniveaus zu konzentrieren und setzt das auch um. Was sind die Effekte?"

Hier argumentiertman wie folgt: Indirekt kündigt die ZB offenbar eine Senkung der Inflation an. Die WiSu glauben der Ankündigung aber nicht => Sie reduzieren nicht ihre Lohnforderung => Wenn die ZB dann die Inflation tatsächlich senkt, kommt es zu einem Anstieg des Reallohns. => Arbeitslosigkeit steigt über das natürliche Niveau. (Erst in den nachfolgenden Perioden erkennen die WiSu, dass es die ZB ernst gemeint hat und werden ihre Inflationserwartungen anpassen.)

Das ist doch eigentlich genau derselbe Fall wie derjenige, den wir hier diskutieren (nur dass die ZB einmal ehrlich ist und einmal unehrlich). In diesem Fall hatman auch so wie ich argumentiert, dass die WiSu der Ankündigung nicht glauben.
 
#13
Hallo Wolfgang,

das was Du sagst ist richtig. Wenn die WiSu der Ankündigung nicht glauben, hat die ZB gar keine andere Wahl, als von der Senkung abzusehen, da sonst ein Inflationsschaden entsteht. In diesem Fall kann die ZB dies aber auch bekannt geben.
Da in der Aufgabe aber steht: "...in letzter Minute...ohne dies bekannt zu geben!", gehe ich von einer Täuschungspolitik aus.
 
#14
Hallo ihr beiden,
also wenn man davon ausgeht, dass die ZB in der ersten Periode glaubwürdig ist und erst danach durch die Täuschung diese verliert, passt es schon mal zur Lösung der Aufgabe.

Ähnlich kann man für die anderen Aufgaben argumentieren - wenn die neue ZB z. B. inflationsaversiver ist und die Inflation senkt und dies glaubwürdig ankündigt, würden die WiSu das auch glauben und ihre Erwartungen anpassen Dann würde die Inflationsrate sinken und die AL bei u(n) bleiben, richtig?).
Geht man von einer unglaubwürdigen ZB aus, treten wieder die oben beschriebenen Effekte auf...
 
#15
Hallo Antje,

du würdest also stets davon ausgehen, dass die erste Ankündigung der ZB glaubwürdig ist?

Hast du mal mit dem Lehrstuhl darüber gesprochen?

Ich sehe immer noch nicht so recht, warum die Ankündigung der Senkung der Inflation glaubwürdig sein sollte, solange es nicht entsprechende institutionelle Vorkehrungen (z.B. Wechsel der ZB-Leitung) gibt.
 
#16
Wir sind uns ja einig, dass es grundsätzlich zwei Möglichkeiten gibt:
1. die Ankündigung wird geglaubt
2. die Ankündigung wird nicht geglaubt
Wäre es vielleicht möglich, dass man in der Klausur auch beide Fälle skizzieren soll?
 
#17
stimmt ;-)
also im Zweifel (und wenn genug Zeit ist) würde ich glaub ich beide Möglichkeiten darstellen...bzw. muss es bei solchen Fragestellungen ja immer irgendwie auf ein Problem hinauslaufen - es wird ja wohl kaum 50 Punkte dafür geben, dass man schreibt "Es verändert sich nicht viel, nur das neue Nash-Gleichgewicht wird erreicht". Also diese Methode kurz anreißen und die andere ausführlich darstellen.
Wichtig ist m.E. , dass man in die Einleitung schreibt, wovon man ausgeht. Dann muss es eigentlich immer Punkte geben, wenn nichts anderes aus der Aufgabenstellung hervorgeht, oder?
Mit dem Lehrstuhl hatte ich aber keinen Kontakt, ist nur meine persönliche Meinung
 
#18
Hallo,

ich muss nochmal auf Eure Diskussion zurückkommen. Die Wirkungskette anfangs ist mir völlig klar, dass die WiSu von der Ankündigung überrascht werden. Am Ende der Reallohn sinkt und die ALK unter das natürl. Niveau sinkt. Das ohne Ankündigung deutet ja auf den Überraschungeffekt hin. Das kann ich ja anfangs erstmal erklären und gehe ich dann "einfach" dazu über das Zeitinkonsistenzproblem zu bechreiben und welche Möglichkeiten es da noch gibt (Diskretionarität bei rat. EW, Regelbindung)? Und dann was rat. EW bedeuten? Wäre das eine Lösungsmöglichkeit?
 
#19
hey!
Ja, so hätte ich das auch gemacht. Die Frage war quasi, ob man davon ausgehen kann, dass die WiSu überrascht werden oder ob sie schon vorher rationale Erwartungen gebildet haben...aber ich denk schon ;-) Im Zweifel einfach am Anfang als Annahme definieren.
 
#20
Hey,

danke erstmal :) Ich finde irgendwie nur noch keinen Übergang von der anfänglichen Wirkungskette mit Überraschung, um dann das allgemeine Problem der Zeitinkonsistenz zu beschreiben. D.h. erst gehen die WiSu davon aus, dass die Inflationsrate bspw. pi =0 ist und später wird sie doch höher gestetzt (= Überraschung). Schreibt man dann einfach das es eig. die beste Lösung ist und dann "einfach, um noch was zu schreiben", aber nicht dauernd wiederholbar und beschreibt dann die anderen Alternativen? Irgendwie finde ich das noch nicht rund beim aufschreiben ... *grummel*
 
#23
Genau das, denke ich, ist der Unterschied zwischen den beiden Fragen.

Wenn die ZB die Inflationsrate erhöht, ohne es anzukündigen, dann konnten die WiSu ja gar nicht vorhersehen, dass die ZB etwas ändern wird. Es gab keine Anhaltspunkte, weshalb die ZB plötzlich eine andere Inflation anstreben würde, bzw. weshalb sich plötzlich die Verlustfunktion der ZB geändert haben sollte. Die ZB realisiert seit Jahren eine bestimmte Inflationsrate Pi, und es gibt keine Hinweise, dass in der nächsten Periode plötzlich eine Inflation von Pi + x realisiert wird.

Der andere Fall ist, dass die ZB schon immer eine Inflation von Pi realisiert und dann ankündigt, dass sie von nun an eine Inflation von Pi - x anstrebt. Dann werden sich die WiSu im Rahmen ihrer Erwartungsbildung überlegen, ob diese Ankündigung glaubhaft ist. Und wie ich das Zeitinkonsistenzproblem verstehe, werden die WiSu einer solchen Ankündigung nicht glauben (solange es keine institutionellen Vorkehrungen gibt, z.B. Austausch der ZB-Leitung o.ä.). Genau das ist doch eigentlich die Aussage des Zeitinkonsistenzproblems: Die ZB könnte theoretisch durch eine Abweichung von ihrer Ankündigung die Arbeitslosigkeit unter das natürliche Niveau senken, wenn ihr die WiSu glauben. Weil ihr die WiSu aber nicht glauben, kommt es nicht zu diesem Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Was meint ihr?
Exakt das ist auch meine Meinung.
 
#24
In der Aufgabe geht es um die sogenannte Überraschungsinflation (diskretionäre Politik bei erwarteter Regelbindung, Erzeugung eines Erwartungsirrtums) im Vergleich zur diskretionären Politik mit erwarteter Regelbindung (realisierte Inflation entspricht Inflationserwartung) - also so ungefaehr so wie franthoy geschrieben hat.
 
#26
Bei mir war es durchwachsen. Ich weiß, es war jetzt nichts Unerwartetes dabei, und die Klausur war wirklich fair gestellt. Trotzdem hatte ich Schwierigkeiten - die Umsetzungsprobleme und konzeptionellen Rahmenbedingungen bei der Zielvorgabelösung sind mir nicht mehr eingefallen, und bei der Berechnung in Aufgabe 2b) habe ich irgendwo einen Fehler eingebaut, sodass ich zu keinem sinnvollen Ergebnis mehr gekommen bin.

Eigentlich ärgerlich, denn ich war gut vorbereitet und die Klausur war jetzt auch nicht wirklich schwierig. Ich hoffe, dass ich bestanden habe.

Wie war es bei dir / euch?
 
#27
genauso,
ich ärgere mich auch gerade sehr. Die Aufgaben waren nicht schwer, nur bischen anders als sonst formuliert.
bei 2b) bin ich mit dem Zusammenfassen der Faktoren nicht mehr weiter gekommen und habe dann verbal erklärt, wie ich weiter rechnen würde. Man hätte vielleicht noch schreiben können, dass der(?) Zieloutput größer sein muss, als der natürliche, da es ja sonst keinen Inflationsbias gegeben hätte. Das fiel mir natürlich erst auf der Rückfahrt ein...
Bei 1. habe ich erstmal Zeitinkonsistenztheorie erklärt und dann sämtliche Möglichkeiten von "wird geglaubt" und "nicht geglaubt" durchgespielt.
Schwer getan habe ich mich auch mit dem Nash-Gleichgewicht und Preisindex bin ich nicht fertig geworden...
 
#28
Mir ist es ähnlich ergangen... Ich dachte schon, dass ich der einzige bin, der zu blöd beim Zusammenfassen der Terme war. Die erste Aufgabe fand ich erwartet unangenehm. Die direkte Beantwortung der Frage hätte bei mir nur ein paar Zeilen gebraucht...
Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits hofft man, bestanden zu haben, andererseits nervt es auch, wenn nur 60 Punkte erreicht werden. Denn eigentlich war der Stoff machbar, wenn auch didaktisch ausbaufähig.

Schöne Grüße und weiterhin viel Erfolg.
 
#29
Hey,
ohje jetzt hab ich langsam Angst, dass ich auch noch die Rechenaufgabe falsch habe..weil bei mir eigentlich alles recht glatt lief :( hatte auch Probleme die genauen konzeptionellen Bedingungen zu nennen..und Aufgabe 3 war auch nicht meine... naja hoffen wir mal auf ne faire Bewertung..
 
#30
Bei mir lief die Aufgabe 2b) eigentlich auch glatt. Da man ungefähr wusste, was rauskommen muss, ahnte man doch schon, wie zusammengefasst werden musste. Das ging bei mir zuerst auch nicht auf, so dass ich dann noch einmal alles durchgesehen habe und dann bemerkt habe, dass ich einmal ein "+" hatte und dort ein "-" hinmusste. Dann klappte es auch. Pi erw. war dann ein recht einfacher Term und Pi war dann eben um die Schockwirkung höher (also Bias plus Faktor*Epsilon).

M.E. nach sollte man das Nash-GG nur allgemein erklären, da man ja keine formal-mathematische Berechnung anstellen sollte.

Bei A2 a) bin ich mir gar nicht so sicher, worauf die hinauswollten. Kann mal jemand von Euch schreiben, was er dazu ausgeführt hat!? Hier war ja von "Regelpolitik" die Rede. War das so zu verstehen, dass hier die Regel "Nullinflation herstellen" unterstellt werden konnte (habe ich so interpretiert) oder hätte man schreiben sollen, dass es auch noch andere Regeln gibt, die nicht die Inflationsrate konstant halten, wenn es zu einem Schock kommt???

VG, El-Tren
 
#31
Ich glaube nicht, dass eine passive Regel gemeint war.

Ich verstehe die Zielvorgabelösung so, dass der ZB ein Inflationsziel vorgegeben wird, das den gesellschaftlich optimalen Inflationswert gerade um den Inflationsbias unterschreitet.

Damit werden dieselben Ergebnisse erzielt wie bei optimaler Regel: der Inflationsbias verschwindet und auf Schocks wird reagiert (siehe Buch S. 166).

So habe ich das zumindest geschrieben, bin mir im Nachhinein aber nicht sicher, ob das so gemeint war.
 
#32
Sorry, jetzt sehe ich erst, dass du eine andere Aufgabe meintest.

Dort habe ich geschrieben, dass es auch aktivistische Regeln gibt, mit denen auf Schocks reagiert wird.

Aber waren ja nur 5 Punkte :)
 
#33
Ja, genau: 5 Pkt.! Die können wichtig sein! Während der Klausur war ich mir sicher, dass "die ZB betreibt Regelpolitik" konkret auf Nullinflationspolitik zielt, da sonst so etwas geestanden hätte wie: "betreibt eine Regelpolitik" (es gibt ja eine ganze Reihe davon). Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher, so dass ich glaube, dass der Hinweis, den Du geschrieben hast, sicherlich sehr wichtig gewesen ist.
 
#34
An anderer Stelle schreibt eine Amina, in Aufgabe 1 hätte das Svensson-Modell gebracht werden sollen. Ich war da ein wenig baff, denn von Svensson-Modell habe ich da gar nichts geschrieben (und kenne es ehrlich gesagt auch gar nicht, obwohl ich eigentlich alle Inhalte im Buch bearbeitet habe). Wie schätzt ihr die Sache ein???
 
#35
Svenson kenne ich auch nicht. ;-)

Ich glaube aber, wenn die Rechnung bei dir funktioniert hat und der Aufsatz zumindest halbwegs in Ordnung war, brauchst du dir keine Gedanken zu machen.

Hast du 1a ähnlich wie ich bearbeitet oder liege ich falsch?

Ich bin mir nicht sicher, was rauskommen wird - hoffentlich hat es zumindest gereicht zu bestehen. :-/
 
#38
Das ist exakt die Lösung, die ich auch geschrieben habe. Wenn der optimale Inflationswert Null beträgt, dann muss die Zielvorgabe der negative Bias sein, damit dann tatsächlich Null realisiert wird. Die in der Klausur erwarteten Rahmenbed. und Schwierigkeiten konnte ich nicht ganz einordnen. Ich habe da nur geschrieben, dass eine Zielvorgabe vom negativen Bias ein Deflationsziel wäre und das nicht sehr glaubwürdig ist und somit die Stabilität des Systems nur schwer erreichbar wäre.
 
#39
ich dachte bei den Rahmenbedingungen an Sachen wie Glaubwürdigkeit (kritisch wg. Deflationsziel - siehe el-tren), Politikunabhängigkeit und klare Kommunikation, damit die Bevölkerung die ZB versteht.
Und dass es in der Praxis nicht funktioniert, weil die Politik einen Anreiz hat, nach einer Periode "die Karten neu zu mischen"...so in der Art jedenfalls...
 
#40
ich dachte bei den Rahmenbedingungen an Sachen wie Glaubwürdigkeit (kritisch wg. Deflationsziel - siehe el-tren), Politikunabhängigkeit und klare Kommunikation, damit die Bevölkerung die ZB versteht.
Und dass es in der Praxis nicht funktioniert, weil die Politik einen Anreiz hat, nach einer Periode "die Karten neu zu mischen"...so in der Art jedenfalls...
So hatte ich das auch verstanden und geschrieben.... ich fand das alles eigentlich ganz gut und schlüssig: Erklärung der Zeitinkonsistenz mit ihren Problemen. Tja, dann saß ich auf der Rückfahrt von der Klausur noch mit einer Kommilitonin zusammen - die mir dann was vom Svensson-Modell erzählte und mir das im Buch zeigte... ich hätte mich sonst wohin beißen können, weil das zu passen scheint....
Mal sehen, was der Lehrstuhl meint....
Könnte einer von euch bitte die Lösung der Rechenaufgabe posten? Ich weiß nicht, wo mein Fehler liegt, ich krieg's immer noch nicht raus. Bin auch alle Vorzeichen durchgegangen, half leider nichts...
 
#42
Ich habe meine Lösung zu 2b) im Thema "Klausur WS 12/13" eingestellt! LG, EL

Leider wird meine Lösung nicht angezeigt im entsprechenden Thema; genau wie mein Beitrag zum Mentoriat in Eschweiler. Sehr effizient dieses Forum ...
 
#43
Hallo,

ich muss nochmal auf Eure Diskussion zurückkommen. Die Wirkungskette anfangs ist mir völlig klar, dass die WiSu von der Ankündigung überrascht werden. Am Ende der Reallohn sinkt und die ALK unter das natürl. Niveau sinkt. Das ohne Ankündigung deutet ja auf den Überraschungeffekt hin. Das kann ich ja anfangs erstmal erklären und gehe ich dann "einfach" dazu über das Zeitinkonsistenzproblem zu bechreiben und welche Möglichkeiten es da noch gibt (Diskretionarität bei rat. EW, Regelbindung)? Und dann was rat. EW bedeuten? Wäre das eine Lösungsmöglichkeit?
Ja, das ist m.E. eine sehr gute Lösungsmöglichkeit.
Die Argumentationskette würde also lauten:
Überraschungseffekt auf Basis der Zeitinkonsistenztheorie erläutern - Diskretionarität und Inflationsbias mit Bezug zum Überraschungseffekt darstellen - Rationale Erwartungen wie im letzten Abschnitt Buch S. 142 beschreiben - Problematik Nash-Gleichgewicht anreißen und daraus folgende Konsequenz des Anreizes zur Senkung der Arbeitslosenrate über inflationäre Geldmengenerhöhungen erklären (Buch S. 143/144) - Suche nach Lösungen des Zeitinkonsistenzproblems wie im Buch S. 145 ansprechen.
Je nach verbleibenden zeitlichen Ressourcen würde ich zusätzlich im Kurs "Problemfelder Makro" S. 48 aufgreifen, also den Anreiz der Regierung, die Schuldenlast durch Überraschungsinflation zu senken.

Wir sind uns ja einig, dass es grundsätzlich zwei Möglichkeiten gibt:
1. die Ankündigung wird geglaubt
2. die Ankündigung wird nicht geglaubt
Wäre es vielleicht möglich, dass man in der Klausur auch beide Fälle skizzieren soll?
Wie oben dargestellt, würde ich nicht beide Varianten diskutieren, da durch den Hinweis "rationale Erwartungen" in der Aufgabe stark in Richtung Variante 2 gelenkt wird.
 
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