Zusammenfassung G5: Kurs Französische Revolution

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Modul 5 G: Französische Revolution

Zeitliche Einordnung

· 1789-1799

· F.R. trennt die Vormoderne von der Moderne, Frühe Neuzeit von Neuzeit

· F.R. steht für Epochenumbruch in Politik, Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft

· Aus politischer Sicht ist die F.R. die Geburtsstunde von Freiheit und Demokratie. Aus dem Untertanen (sujet) wird der Staatsbürger (citoyen).

· Gesellschaftlich und wirtschaftlich bedeutet die F.R. das Ende der Ständegesellschaft, die Abschaffung von Zünften und Gilden, Unternehmensfreiheit und die Durchsetzung des Leistungsprinzips.

· Kirche ein enges Bündnis eingegangen sind. Es kam eine säkulare Ideologie.


Begriff: Revolution

Phasen der F.R.

1. Pre-Revolution (1787-88): eine vorbereitende Zeitspanne mit Staatsbankrott

2. Phase der Errichtung einer konstitutionellen Monarchie (1789-1792): Erklärung der Menschenrechte vom 26. Aug. 1789, erste geschriebene Verfassung Frankreichs vom 3. Sept. 1791: Umstrukturierung Frankreichs von der ständischen Monarchie zum modernen konstitutionellen Einheitsstaat.

3. Phase der Konventsherrschaft der Girondisten und Jakobiner (1792-94). In ihrer zweiten Phase umschließt sie auch die Diktatur des Wohlfahrtsausschusses unter Robespierre und Saint-Just, die 1794 zusammenbrach. Diese Phase stand unter dem Merkmal des Krieges, den F. seit 1792 gegen Europa führte. Die angespannte außenpolitische Lage hatte große Auswirkungen auf die innenpolitische Lage F. Mit dem Ende dieser Phase sieht eine Reihe von Historikern die F.R. als abgeschlossen an.

4. Phase der bürgerlichen Republik oder bürgerlichen Restauration (1794-99): Unter der Direktorialverfassung (ab 1795) : Wiederherstellung des Rechtsstaates, außenpolitisch die europäische Hegemonialstellung F.

5. )Ära Napoleon Bonapartes (1799-1815)


Interpretationen der Französischen Revolution

a. Konservative Interpretation

· Konservative Kritik bildet neben der liberalen Interpretation die älteste I.

· Setzte mit dem 17. Juni 1789 ein.

· Konservative Kritik kam aus dem Ausland zu Themen Gefangensetzung und Tod Ludwigs XVI oder Wiedereinsetzung der Bourbonen (1814/15)

· Stand in direkter Beziehung zu den außenpolitischen Verwicklungen

· 1. Anfang machte der Ire E. Burke (1790). Burke zeichnete ein rosiges Bild der Epoche vor 1789. Das frz. Ancien Regime besaß seiner Meinung nach eine gute, ausgewogene Verfassung, einen tugendsamen Adel, einen sittenstrengen Klerus und ein fleißiges bescheidenes Volk. Das Unheil habe mit der Einberufung der Nationalversammlung begonnen, die keinen respekt vor der Würde des Monarchen hatten. Burke kannte die Verhältnisse aus F. allerdings nur aus Berichten von Emigranten und ihm nahestehende Kreise. Eine sehr einseitige Sichtweise! Fehlerhafte und fragwürdige Sichtweise. Er weiß nichts von: Staatbankrott, Vorgängen der Pre-Revolution und der Zurücksetzung des 3. Standes, Korruption in der Verwaltung, Frivolität am Versailler Hof, allgemeine Bevölkerungsexplosion, Preisanstieg der Lebensmittel von 1787-89

Burkes Deutung ist der Ausgangspunkt der englischen konservativen Interpretation der F.R. durch das ganze 19. Jhdt.

Erste konservative französische Emigranten unterstützen diese Sichtweise, Bruch mit der katholischen Kirche. Cochin machte politische Clubs, Freimaurerlogen, Lese- und Korrespondenzzirkel für den Ausbruch der Revolution verantwortlich. Dies konnte nie restlos durch Quellen belegt werden. Konservative Theorien geben an, dass erste revolutionäre Gedanken dort geschmiedet werden.

Die deutschsprachige konservative Sichtweise galt etwa bis zum 1. WK: Sie hoben die mangelhafte Achtung der Revolutionäre vor der staatlichen Ordnung hervor. Die meisten Autoren stammten aus Österreich oder Preußen. Die Revolutionäre wurden häufig nur als Minderheit gesehen und nicht der Wille des ganzen Volkes.

b. Liberale oder bürgerlich-idealisierende Interpretation

Beginn dieser Deutung ist das einschneidende Merkmal : Erklärung des 3. Standes zur Nationalversammlung am 17.Juni 1789.

· Politischen Grundsatzentscheidungen der Krone werden liquidiert

· Privilegierte Stände werden in ihrer Macht beschnitten

· Die beiden Höhepunkte der Revolution aus Sicht des zeitgenössischen Bürgertums waren die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. Aug. 1789 und die Schaffung der ersten geschriebenen Verfassung F vom 3. Sept. 1791

· Natürlich schätzten die bürgerlichen Kreise ihre eigenen Errungenschaften bis zur Einrichtung der Konventsregierung hoch ein.

· Positive Resonanz schlug in Deutschland und der Schweiz nach Errichtung der Jakobinerdiktatur in totale Ablehnung um.

· Diese Sichtweise unterscheidet sehr genau zwischen bejahenden und negativen Entwicklungen.

· Die liberale Interpretation hat stets die Rolle der Aufklärung als konditionierendes Element der Revolution betont. Montesquieu, Voltaire und Rousseau gelten als geistige Wegbereiter der großen revolutionären Neugestaltung Frankreichs.

· Aus bürgerlicher Sicht sind die Missstände 1789 nicht mehr zu überbieten.( Hoher Klerus und Adel als privilegierte Kaste, die keine Leistungen erbringen müssen, besetzten höchste Ämter im Staatsapparat auf Kosten der Allgemeinheit, Willkürjustiz, finanzielle Misswirtschaft der Regierung, Korruption in der Verwaltung, ungleiches Besteuerungssystem, mangelnden Aufstiegschancen für roturiers.

· In Frankreich sah man die Terreur der Jakobinerdiktatur zwar als entsetzlich an, angesichts der Bedrohung F durch die monarchischen Mächte Europas aber als unvermeidlich an.

· Die sozialen Probleme der Revolution bleiben in diesem Ansatz jedoch unberücksichtigt.


c. Die französische sozialistische Interpretation

· Betont die Einzigartigkeit der Revolution und das nationale Erbe.

· Blanc hatte 1847 die erste sozialistische Darstellung der Revolution veröffentlicht., in der er sich für die Diktatur Robespierres erwärmte. Er sah in der Terreur den Zukunftsstaat und in Robespierre einen großen gescheiterten Sozialisten, dessen Werk fortzusetzen war.

· Die F R stellte das historische Modell einer politischen Machtergreifung einer Klasse dar.

· Mathiez vertrat die Auffassung, dass die Oktoberrevolution von 1917 einen Fortgang der Revolution von 1792 darstellte. Beide hatten das Ziel, die gesamte Gesellschaft umzuformen. Die Jakobinerdiktatur war für ihn die erste Revolution des Proletariats.

· Die Revolution war das Ergebnis eines Klassenkampfes. (Kampf der Bourgeoisie gegen den Feudaladel)

· Sieg des Bürgertums bedeutete gleichzeitig ein Sieg des modernen Kapitalismus. F.R. war der revolutionäre Weg dorthin.

· Lt. Ihrer Ansicht verursachte die ausländische Konterrevolution das komplette Ancien Regime zu liquidieren. So kam es zur Terreur (1792-1794)

· Ziele, die erreicht wurden: Zerstückelung des feudalen Grundeigentums, Befreiung der Bauern

· Ziele: Revolution der Freiheit: bürgerliche Freiheiten wurden geschaffen. Revolution der legalite (Gleichheit): Preise und Löhne sollen in ein gerechtes und stabiles Verhältnis zueinander gestellt werden; Gleichheit der Bildungschancen, echte soziale Demokratie errichten

Revolution der unite (Einheit): sie haben den nationalen Einheitsstaat hervorgebracht

d. Die marxistisch-leninistische Interpretation

· Diese Interpretation hielt sich bis in die 1960 er Jahre nur in Russland und den mit ihr verbundenen Volksdemokratien. Seither hat sie aber auch in den westlichen Ländern breitere Resonanz gefunden.

· Vertreter: Karl Marx, Friedrich Engels, Lenin und Stalin

· Die F.R. bildet demnach das klassische Beispiel einer vollendeten, bürgerlichen, demokratischen Revolution.

· Sie ist ein Klassenkampf der kapitalistischen Bourgeoisie (vorrübergehend unterstützt durch Bauernschaft, Kleinbürgertum, Proletariat und Stadtarme) gegen das reaktionäre-feudalabsolutistische System.

· Die Interpreten legen dabei großen Wert darauf, dass es sich bei der F.R. das Ergebnis eines Klassenkampfes also eines sozialen Konfliktes sei.

· Marx studierte 1844 intensiv die Zeit der Jakobinerherrschaft. In der Auseinandersetzung zwischen Girondisten und Jakobinern waren erste Anzeichen für den Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat zu sehen.

· Weiter gab Marx an, dass der politische Staat stets die Interessen der herrschenden Klasse auf Kosten der anderen Klassen vertrete.

· Für Lenin und auch für Stalin bestand ein großer Unterschied zwischen einer bürgerlichen und einer sozialistischen Revolution.

· Lenin sah in der F.R. den Prototyp einer bürgerlichen Revolution. Stalin beeindruckte an der F.R. am meisten die Eigenschaft als Volksrevolution. Er zeigte daher großes Interesse für die revolutionären Kampfmethoden der Jahre 1792-94.

· Jede Revolution ist aus dieser Sichtweise eine deutliche Spannung zwischen sozialen Klassen einer Gesellschaft. Die sozial herrschende Klassen vor 1789 war die Aristokratie. Sie geriet in einen immer schärferen Gegensatz zur ökonomisch aufsteigenden und schließlich dominierenden Klasse der Bourgeoisie. Dies führte 1789 zu einem offenen Konflikt zwischen beiden Klassen. Sie erhielt Unterstützung der Bauern und der städtisch unterbürgerlichen Klassen.

· Diese bürgerliche Revolution kannte laut dieser Interpretation eine aufsteigende und eine absteigende Phase.

· Die aufsteigende Phase war gekennzeichnet durch eine Klassenallianz zwischen der Bourgeoisie, den bäuerlichen und städtischen Massen gegen das alte System.

· Demzufolge bildet der Sturm auf die Bastille aus marxistisch-leninistischer Perspektive den Beginn der F.R., da die revolutionären Volksmassen erstmals gemeinsam in Erscheinung traten.

· Kritik war: „Das Ziel der F.R. war die Liquidierung des Feudalismus zwecks Festigung des Kapitalismus. Die Großbourgeoisie habe sich von den anderen revolutionären Kräften getrennt (mittlere und Kleinbourgeoisie, Bauer, Arbeiter) und sei zu einer konterrevolutionären Kraft geworden.

· Die Großbourgeoisie (Vertreter: Feuillants und Girondisten) sind einen Kompromiss mit der Aristokratie auf Kosten der übrigen Bevölkerung eingegangen. Die Revolution war verraten.

· Die Jakobinerdiktatur war ein späterer Höhepunkt im Befreiungskampf der unterdrückten Klassen.

Gut: Einführung eines Höchstpreissystems für die wichtigsten Verbrauchsgüter (Maximum).

Doch die Politik der Jakobiner war voll innerer Widersprüche. Insbesondere Robespierre unterliegt der Kritik dieser Sichtweise.

· Robespierre wusste nicht, auf welche Klasse und welche sozialen Kräfte sich die Jakobinerdiktatur stützen sollte.

· Robespierre erkannte, welche Gefahren von der Großbourgeoisie drohten, die danach strebten die demokratischen Errungenschaften der Revolution zu zerstören. Er bekämpfte sie daher, stützte sich bei seinem Vorhaben jedoch nicht ausschließlich auf die unteren demokratischen Schichten, die zuverlässige Pfeiler der Jakobinerdiktatur waren. Er verhielt sich ihren Forderungen ggb. gleichgültig.

· Die absteigende Phase kennzeichnet demnach die egoistische Klassenherrschaft der Bourgeoisie (Bereicherungssucht).

· Die marxistische-leninistische Interpretation negiert einen inneren Zusammenhang zwischen F.R. und russischer Oktoberrevolution.

· Die bürgerliche Revolution von 1789 habe sich darauf beschränkt, die Herrschaft einer Ausbeutergruppe (Aristokratie) durch die einer anderen Ausbeutergruppe (Bourgeoisie) zu ersetzen.

e. Der strukturanalytische Forschungs- und Interpretationsansatz

· Dieser Ansatz geht zurück auf Barnave und A. de Tocqueville

· Heute: Palmer, Furet, Godechot, Gottschalk

· Sie versuchen zu neuen Aussagen über die F.R. zu kommen

· Sie überprüfen die Quellen der bisherigen Forschung und interpretieren diese neu.

· Bisherige oder einseitig gesehene Phänomene der F.R. werden neu beleuchtet und bearbeitet. Erst in zweiter Linie bemüht man sich um eine Gesamtinterpretation.

(z.B. auslösende Momente einzelner Ereignisse, Motivation der Träger einzelner Handlungen, Gruppenmentalität, Taktiken, Ziele, Koordinationsmethoden…

· Palmer und Godechot haben die F.R. in eine größere atlantische Revolution zwischen 1770 und 1799 eingeordnet und ihren Einzelfallcharakter in Frage gestellt.

· Man sollte sowohl vorwärts als auch rückwärts schauen.

· Furet und Richet ziehen aus der Analyse des Revolutionsprozesses die Schlussfolgerung, dass 1789 drei verschiedene Revolutionen parallel nebeneinander herliefen: 1. Die der Abgeordneten in Versailles, die der klein- und unterbürgerlichen Schichten in den Städten (s. Paris), 3. Bauern auf dem Land. Alle drei Revolutionen hatten ihre eigenen, unabhängigen Motive und Ziele.

· Sie sahen in der F.R. auch eine bürgerliche Revolution.

· Sie sehen darin keine Klassenkampfsituation, da nicht die Gesamtklassen der Bourgeoisie und des Adels aufeinander trafen, sondern die aufgeklärten, liberalen Eliten aus allen drei Ständen und vornehmlich aus der Bourgeoisie gegen die Vertreter der alten Staatsordnung kämpften.

· Ziele der aufgeklärten Oberschicht:

- Abschaffung der Feudalrechte

- Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte

- Zivilkonstitution des Klerus

- Verkauf der Nationalgüter

- Zerschlagung der Provinzen durch Ersetzung durch Departements

- Abschaffung der Stände, Zünfte

- Verbot aller Berufsassoziationen durch die Loi Le Chapelier (Gesetz). Man sah die Wirtschaftsfreiheit gefährdet. Es wurde 1791 dieses Gesetz beschlossen, welches Meistern, Gesellen und Arbeitern untersagte, sich zu Bünden zu organisieren. Die Aufhebung der Zünfte wurde bestätigt.

- Einführung von Geschworenengerichten

- Einführung des suspensiven Vetos

- Verfassung vom 3. Sept. 1791

Kontroversebereiche der gegenwärtigen Forschung

· Cobban kritisiert die Interpretationen der sozialistischen und der marxistisch-leninistischen Schule:

· Nach deren Meinung habe die F.R. die feudale Ordnung in F zerstört und durch eine bürgerlich-kapitalistische Ordnung ersetzt.

· Es habe bereits vor 1789 keine Feudalordnung mehr gegeben

· Zweitens ist durch die Revolution nicht eine kapitalistische Bourgeoisie zur Herrschaft gekommen.

· Sie bestand hauptsächlich aus ehemaligen königlichen Beamten und hochqualifizierten unabhängigen Fachleuten, die die Adligen zwangen, die Spitzenpositionen des Staates zu räumen.

· Cobban formuliert es so: Eine Klasse von Beamten und Fachleuten stieg von niedrigeren zu höheren Posten in der Regierung auf und vertrieb die Günstlinge des degenerierten Hofes. Dies war die Bedeutung der bürgerlichen Revolution. Die Bauern befreiten sich von den grundherrlichen Abgaben (dies bedeutete die Aufhebung des Feudalismus)

· Beide Entwicklungen stellen jedoch nicht die Abschaffung einer sozialen Ordnung dar.

· Cobban sagt, dass 1789 eine politische und keine soziale Revolution war. Es ging bei dem Kampf um die Besetzung der Staatsführungspositionen und nicht um eine Änderung der Sozial- und Wirtschaftsordnung.

· Die Grundherren waren um 1789 nicht nur Adlige, sondern auch zunehmend Angehörige der Bourgeoisie, die aus verschiedenen Beamtenlaufbahnen kamen. Es gab eine grundbesitzende Bourgeoisie um 1789, die über rund 30% des frz. Grund und Bodens besaß.

· Cobban wies zudem nach, dass Angehörige der Manufaktur- und Handelsbourgeoisie - sprich die eigentliche kapitalistische Klasse in der Revolution so gut wie gar keine Rolle spielten.

· Cobban verstarb viel zu früh 1968 und konnte nie eine Gesamtinterpretation der Revolution darlegen.

· Fand 1789 eine oder fanden drei Revolutionen statt?

· Furet und Richet sprechen von drei nebeneiander herlaufenden Revolutionen:

· 1. Die Revolution der Abgeordneten auf den Generalständen in Versailles

· 2. Die Aufstandsbewegung der klein- und unterbürgerlichen Schichten in den Städten (1789-1794)

· 3. Bauern auf dem Land (1789-1794) Ziel: Befreiung von Feudallasten)

· Alle Teilprozesse haben aufeinander eingewirkt, jedoch verbanden die Träger andere Zielsetzungen: 2.+3. Hatten vorrangig soziale Ursachen, 1. War ein Kampf der Eliten gegen die Priviligierten und deren Besetzung der Ämter (Justiz, Steuer- und Finanzpolitik, Administration, Regierungsorganisation). Es war eine politische Auseinandersetzung.

· Diese Frage ist nicht geklärt und betrifft den Blickwinkel der Forschung (65)

· War die Französische Revolution eine bürgerliche Revolution?

· Sowohl die marxistisch-leninistische als auch die Annales-Schule sehen in der Fr.R. eine bürgerliche Revolution – allerdings in unterschiedlichem Sinne.

· Marxistisch Interpretation: Übergang von feudal-absolutistisch hin zu einer bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Klassen der Bourgeoisie und Aristokratie trafen hier aufeinander. Bourgeoisie konnte Hilfen der städtischen und ländlichen Massen mobilisieren.

· Annales-Schule unter Furet und Richet: Für sie zählten die städtischen Mittel- und Unterschichten und die Bewegungen der Bauern nicht dazu. Für sie war es ein Nebeneinanderlaufen von Revolutionen der Abgeordneten in Versailles, der städtischen Massen und der Bauern auf dem Land.

· Kritik an beiden Ansätzen: Weder die eine noch die andere Interpretation meinen bei der Verwendung des Begriffs „bürgerlich“ die soziale Trägerschaft der Revolution. Kleinbürger, Bauern und frühproletarischen Schichten sind in Definition nicht mit eingeschlossen.

· Begriff „Atlantische Revolutionen“: nach Godechot und Palmer Hier wird auf die engen Verbindungen zwischen amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und der Französischen Revolution hingewiesen.

Heute geht es darum Parallelen, Ursachen, verlauf und Wirkungen zu vergleichen und herauszuarbeiten. Gerade der Vergleich kann Besonderheiten schärfen helfen.

· Annales Schule oder Revisionistische Schule nach Richet und Furet:

F.R. ist kein Ergebnis des Klassenkampfes zwischen Adel und Bourgeoisie

Sie ist auch kein Sieg des Dritten Standes über das Ancien Regime. Die Phase der Terreur ab 1792 sehen sie als ein Entgleisen“ der Revolution. Ihrer Meinung nach hätten sich die aufgeklärten bürgerlichen, adligen und klerikalen Eliten durchaus auf Kompromisse einigen können. Lediglich die Volksmassen in den Bauernunruhen und die Aufstände der Sansculotten in Paris haben die Revolution weiter vorangetrieben und den bürgerlichen Kompromiss unmöglich gemacht.

· Heute wir die F.R: als Kulturrevolution gesehen. Man nimmt sich Studien zu einzelnen Dörfern, Städten, Departements vor und ordnet sie in den großen Zusammenhang ein. Weiterhin werden heute die unmittelbaren Auswirkungen der F.R. auf freiheitlich-demokratische Prozesse in Europa untersucht. Hier stehen die Direktorialzeit (1795-1799) sowie die napoleonische Zeit (1799-1815) im Vordergrund.

· Untersucht werden Lieder, Zeitungstexte, Pamphlete, politische Reden, Gerichtsprotokolle, Testamente, Eidesformeln, revolutionäre Symbolik….


Begrifflichkeiten:

Sansculotten: (ohne Hosen)

· Dies sind die Einwohner Paris, v.a. der Vorstädte Saint-Antoine und Saint-Marcel, die sich in revolutionären Komitees organsierten.

· Sie stammten aus den städtischen Mittelschichten.

· Sie forderten durch Straßenkämpfe 1792 zur Abschaffung der Monarchie und 1793 den Nationalkonvent zur Säuberung des Konvents von den Girondisten durchzusetzen.

· Forderungen: Einführung des Lohn- und Preismaximums, Überwachung und Ahndung gegenrevolutionärer Tendenzen im Staat.

· Sansculotten waren Handwerker, Ladenbesitzer oder Tagelöhner

· Demonstrativ trugen sie nicht die knielangen Hosen der bürgerlichen und adligen Eliten. Sie trugen lange Hosen, offenes Hemd, darüber kurze Weste, rote Mütze und als Waffe eine Pike. Sie titulierten sich als Bürger und lehnten das Siezen ab.

Grande Peur

· Massenpanik, die fast alle Regionen Frankreichs zwischen dem 20. Juli und dem 6. August 1789 erfasste.

· Auf dem Land gab es Gerüchte, dass Banditen und Soldaten der Aristokratie die Ernte vernichten würden.

· Bauern und Städter griffen zu Waffen, plünderten Schlösser ihrer Herren und setzten diese in Brand

· Besitzurkunden und Pachtverträge wurden hierbei verbrannt und symbolisch die Überreste der Feudalherrschaft.

· Grand Peur wird oft als Massenhysterie begriffen, da man Furcht vor der Rückkehr zu vorrevolutionären Verhältnissen befrüchtete.

· Beendet wurde sie durch die Abschaffung der Privilegien des 1. und 2. Standes in der Nacht vom 4. August 1789.


Absolutismus

· Absolutismus bedeutet, dass die höchste Souveränität im Staat beim Fürsten oder Monarchen liegt.

· Der Begriff hat sich erst im England des frühen 19. Jhdts. Geprägt, d.h. im Kontext einer konstitutionellen Monarchie.

· Meist bezeichnet Absolutismus als Epochenbegriff die Phase zwischen 1648 und 1789.

· Glaube: Könige seien nur Gott verantwortlich, sonst niemandem, keiner Ständevertretung, keinem Parlament.


Person:Abbé Sieyes

· War Priester, Generalvikar

· 1787/88 war war er Mitglied der Provinzialstände des Orleanais.

· Sein bekanntestes Traktat war : Was ist der Dritte Stand?, indem er für eine gewählte Legislative als Gesetzgeber eintrat.

· Obwohl er dem Klerus angehörte wurde er als Vertreter des Dritten Standes in die Generalstände gewählt.

· Er beteiligte sich an der Ausarbeitung der Verfassung von 1791

· 1799 wurde er zu einem der 5 Direktoren gewählt.

Vorgeschichte der Französischen Revolution

· Frankreich hatte im Laufe des 18.Jahrhunderts seine Grenzen konsolidieren können.

· Frankreich war kein zentralistischer Einheitsstaat. Die Staatstheorie des Absolutismus hat sich nur in Einzelbereichen praktisch durchsetzen können.

· In der Bretagne war Ludwig XVI lediglich Herzog, in der Provence nur Graf, in 7 von 40 Provinzen unterstanden sie voll der Autorität des Königs.

· Ludwig XVI war seit 1774 König von Frankreich. Seine Politik war nicht reformunwillig, jedoch schwankte er zwischen Reform und seinem traditionellen Verständnis vom königlichen Gottesgnadentum und der Sonderrechte vom Ersten und Zweiten Stand.

Demografie

· Frankreich hatte um 1789 etwa 27 Millionen Einwohner, England im Gegenzug nur 12 Millionen.

· 15% der Menschen lebten in den Städten, 85% auf dem Land.

· Paris hatte etwa 600.000 Einwohner.

· Im 18. Jahrhundert war ein starkes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen:

· Gründe: Steigerung des Durchschnittsalters durch verbesserte Hygiene, weniger Seuchen, weniger Hungersnöte und weniger Bevölkerungsverluste durch Kriege.

· Allerdings blieben die verfügbaren Ressourcen hinter den steigenden Bevölkerungszahlen zurück. D.h. es kam zu einer Verknappung und damit Verteuerung der Lebensmittel und wachsender Arbeitslosigkeit.

· Die steigende Lebenserwartung der Älteren führte dazu, dass die jüngere Generation weniger schnell Zugang zu Beschäftigung fand. (hohe Jugendarbeitslosigkeit)

· Diese verringerten Aufstiegschancen wurden vor allem vom Bürgertum als schmerzlich empfunden. Dies waren Schichten, die eine bessere Schulbildung genossen und Aufklärungsliteratur lasen.

Feudalismus in Frankreich?

· Feudalismus in Frankreich bedeutet vor 1789, dass es noch deutlich agrarisch in Wirtschaft und Gesellschaft geprägt war.

· 85% waren in der Landwirtschaft tätig.

· Die landwirtschaftlichen Produktionsmethoden wurden als wenig effizient beschrieben.

· Es gab Hungerkrisen durch Missernten, Spekulation mit Getreidepreisen

· Eigentümer des zur Verfügung stehenden Ackerlandes war der Adel (30%), Klerus (6-10%), 30-40% schon in Hand von Bauern, 30% in den Händen von Bürgertum.

Zusammensetzung der Bevölkerung

· Die Überreste der Ständegesellschaft wurden als unangemessen empfunden.

· Erster Stand war der Klerus war sehr heterogen. In den unteren Rängen rekrutierte er sich auch aus bäuerlicher Bevölkerung. In keinem Stand ist der Unterschied zwischen Arm und Reich stärker als beim Klerus. 2/3 sind einfache Gemeindepfarrer, Seelsorger oder Sozialarbeiter.

· 0,5 % der Bevölkerung gehörten diesem Stand an.

· Klerus hieß katholischer Klerus. Seit 1516 musste jeder Franzose Katholik sein.

· Die katholische Kirche Frankreichs wird als Gallikanische Kirche bezeichnet.

· Finanziert wurde sie durch den Zehnten.

· Klerus verfügte über ein eigenes Recht und eigene Rechtsprechung.

· Die Pfründe (Einkommen aus einem kirchlichen Amt) waren jedoch im Klerus sehr unterschiedlich verteilt.

· Oberer Klerus: Bischöfe und Erbischöfe, Mittlerer Klerus: Pröbste (Leiter für äußere Angelegenheiten der Dom- oder Stiftskapitel), Äbte, Angehörige der Domkapitel, unterer Klerus: Landpfarrer

· Adel bildete den Zweiten Stand und setzte sich aus Schwertadel und Amtsadel zusammen. Für den Schwertadel galt Arbeit als unvereinbar mit dem Standesbewusstsein. Körperliche Arbeit galt als knechtisch.

· Dem Adel gehörten 1,5 % der Bevökerung an. Die Masse war aber eher dem niederen Adel zuzurechnen.

· Adlige verfügten über Grundbesitz und verpachteten Grund und Boden. Dazu kamen Einkünfte aus staatlichen Ämtern und Pensionen.

· Adlige mussten keine Steuern zahlen und hatte einen eigenen Gerichtsstand bei den obersten Gerichtshöfen.

· Zum Adel gehörte man in Frankreich durch Abstammung, die durch königliche Urkunden nachgewiesen werden musste oder durch Nobilitierung durch die Krone durch besondere Verdienste oder Ämterkauf.

· Der Adel hat bei der Einberufung der Generalstände auch viel zu verlieren wie ihre Steuerprivilegien, grundherrlichen Rechte, Einkünfte aus Ehrenrenten von der Krone

· Dritter Stand: 98% der Bevölkerung

· Heterogener Stand:

Oben: bürgerliche Rentiers, hohe bürgerliche Staatsbeamte

Reiche Kaufleute, Finanziers und Makler

Mittel: akademische Bildungsberufe

Unten: Handwerksmeister, Bauern, Proletariat (besitzlose Stadt- und Landbevölkerung), darunter: Vagabunden und Bettler

· Die Rangordnung bestimmte sich durch Einkommen und Lebensstandard.

· Bürgerliche Tugenden waren: Arbeit, Fleiß, Sparsamkeit und Klugheit.

· Die Bauern machten ca. 60 % des Dritten Standes aus.

· Dritter Stand trug Steuerlast (Personen- oder Kopfsteuer, Konsumsteuer)

· Die Diskrepanz zwischen ständischen Prinzipien war 1789 nicht übersehbar: Privilegien durch Geburt vs. Partizipation durch Leistung

· Weiterhin wurde der Aufstieg in den Zweiten Stand Bürgerlichen zunehmend verwehrt, sodass eine höhere Beamten oder Offizierslaufbahn unmöglich schien.

· Zu den direkten Steuern für den Dritten Stand kamen indirekte Steuern wie etwa auf Salz und Wein, der Zehnte, den die Bauern an die Kirchen entrichten mussten. Zudem haben adlige Grundherren zahlreiche feudale Rechte behalten: z.B. Bauern müssen in vielen Regionen ihr Getreide gegen Gebühr in der herrschaftlichen Mühle mahlen lassen oder Wein beim Adligen keltern lassen. Sie zahlen Wege- oder Brückengeld und müssen dulden, dass der Grundherr auf ihren Feldern jagt.


· Die Monarchie war 1789 in einer Krise. Dies war die Folge zahlreicher Affären am Hofe: prunkvolle Hofhaltung, Verschwendungssucht, Affären wie die Halsbandaffäre von 1785.


· Neben dem König (Gesetzgeber, Richter im Staat) hatten die Parlements der einzelnen Provinzen (Paris, Bordeaux, Toulouse) entscheidende Kompetenzen: Sie mussten die königlichen Gesetze erlauben, dass sie angewendet werden. Sie waren zusammengesetzt von Mitgliedern des aufstrebenden Adels.


· Höchstes Repräsentationsorgan waren neben dem König die Generalstände, eine nationale Vertretung aller drei Stände, die zuletzt 1614 zusammengetreten waren.




Rolle der Aufklärung

· Nicht die alleinige Ursache der Revolution.

· Die Aufklärung diente gerade in der Frühphase der Revolution den Revolutionären in der Nationalversammlung zur Rechtfertigung der radikalen und revolutionären Reformen.

· Viele Revolutionäre deuteten die Ideen der Aufklärung nach ihren eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen.

· Begriff:

Epoche zwischen Ende des 17.Jahrhunderts und ca. 1789

Der Mensch kann Wahres und Falsches durch Vernunft unterscheiden.

Durch die Entfernung vom Naturzustand sei der Mensch verdorben worden.

Der Mensch soll zur Natur zurückkehren.

Ziel der Aufklärung war es, den Menschen von Aberglauben und Irrationalem zu befreien.

Weitere Forderungen der Aufklärung: Pressefreiheit, Freiheitsrechte des Einzelnen, Fortschrittsglaube durch Technik und Rationalität

Viele Aufklärer verdammten die Religion als Aberglauben.

Wichtigste Vertreter: Voltaire, Baron de Montesquieu, Jean-Jacques Rousseau, Denis Diderot, John Locke…


· Jean-Jacques Rousseau aus Genf /Schweiz

- Seine Philosophie galt als Wegbereiter der radikalen Revolution

- Werk: Gesellschaftsvertrag (Contract social)

- Rousseau formulierte Vorstellungen von Gleichheit, u.a. Rechtsgleichheit wie die Aufhebung der ständischen Privilegien

- Er war der Meinung, dass sich der Wille des Individuums im Gemeinwillen ausdrücken muss

- Sein idealer Staat: wo individueller Wille und Gemeinwille identisch sind.

- Gesetze werden dem Volk durch die Repräsentanten zur Abstimmung vorgelegt.

- Rousseau hat durchaus Formen der direkten Demokratie angedacht.

- Allerdings steht Rousseau jeder Form von staatlicher Gewalt kritisch gegenüber

· Baron de Montesquieu

- Montesquieu wird mit der Gewaltenteilung in Verbindung gebracht (Legislative, Exekutive und Judikative)

- Diese Gewalten sind seiner Ansicht nach aber nicht mit einem staatlichen Organ verbunden.

- Keine radikale Gewaltenteilung, sondern wechselseitige Kontrolle der Institutionen.

- Montesquieu verteidigt das englische Modell , welches in der Legislative aus Ober- und Unterhaus besteht, gleichzeitig aber mit Vetorecht des Königs.

- Die Judikative wird bei Montesquieu mittels Schöffengerichte durch Vertreter aller Stände ausgeübt werden.

· Damit die Ideen überhaupt ein breites Publikum erreichen, bedurfte es der Herausbildung einer öffentlichen Kultur in Form von Freimaurerlogen, Lesegesellschaften, Akademien, Debattierclubs, Kaffeehäusern, Sozietäten aller Art.

· Dies waren fast ausschließlich von Männern frequentierte Orte im Austausch über Wirtschaft, Politik, Philosophie und Kultur

· Ein großteil der Bevölkerung kam nie mit den Ideen der Aufklärung in Berührung, da Zweidrittel der Bevölkerung Analphabeten waren.

· Die Aufklärung wurde hauptsächlich von Bildungseliten rezipiert in Form von Pamphleten und Flugblättern.


Amerikanische Revolution

· Hierunter ist die Loslösung der 13 Kolonien in Nordamerika von Großbritannien zu verstehen.

· Die Kolonien unterschieden sich von GB in Recht, Wirtschaft, Konfession

· Konflikte zwischen Nordamerika und GB, da GB verbot neue Siedlungen in NA zu errichten.

· Das englische Parlament beschränkte mehr und mehr die Kompetenzen der Repräsentantenhäuser in den Kolonien sowie wirtschaftliche Privilegien und Freiheiten

· Prominenteste Gesetze waren der Stamp Act von 1765 und Tea Act von 1773.

· Die Kolonisten protestierten gegen doe Einschränkungen.

· Ab 1774/75 kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Kolonisten und Truppen Gbs.

· 1776 erklärten sich die 13 Kolonien als unabhängig von GB und gründeten mit den Articles of Confederation 1777 die Vereinigten Staaten von Amerika.

· Der Brite Thomas Paine (war 1774 nach Pennsylvania übergesiedelt) rief die Amerikaner dazu auf sich vom Mutterland zu lösen und eine Republik auszurufen.

· Angeprangert wurden die britischer Herrschaft über die Kolonien als Tyrannei und die britische Monarchie als korrupt.

· Unterstützt wurden die Amerikaner durch Frankreich, Spanien und die Niederlande.

· Frankreich hatte im Siebenjährigen Krieg seine Kolonien (Kanada und Louisiana) in Nordamerika an GB verloren.

· Unter der Führung von George Washington konnte Amerika gewinnen.

· 1783 musste GB die Unabhängigkeit der 13 Kolonien anerkennen.

· 1789 trat die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika in Kraft.


Unterschied zwischen Französischer und Amerikanischer Revolution

Amerikanische Revolution

Französische Revolution

Amerikanische Verfassung bewahrt altes Recht, d.h. übernahm Rechte aus dem englischen Recht

Will neues Recht mit Freiheit und Rechtsgleichheit

Geht von natürlichem, von Gott geschaffenen Gesetz aus, welches durch vom Volk gewählte Regierungen geschützt werden müsse

Die frz. Erklärung der Menschenrechte bevorzugt die natürlichen Rechte des Individuums. Wenn alle Individuen an der Gesetzgebung beteiligt wären, bildet sich ein Gemeinsillen.


- Beide Revolutionen sind also nicht gleichzusetzen.

Weitere Ursachen

· Hohe Staatsverschuldung Frankreichs durch Beteiligung am Siebenjährigen Krieg und am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg

· Einkommenssteuer des Dritten Standes, Kopfsteuer, weitere Einkommenssteuer, Verbrauchssteuern, städtische Eingangszölle, Binnen- und Außenzölle, Salzsteuer, Erlöse aus Ämterverkauf reichten nicht aus um Ausgaben zu decken.

· Unter Ludwig XVI hatte sich die Staatsschuld verdreifacht.

· Ausgaben für Diplomatie und Militär, zivile Ausgaben, Hof, 50 % dienten der Schuldentilgung

· Man versuchte 1787 eine alle Stände betreffende Grundsteuer durchzusetzen. Dies scheiterte an der Adelsrevolte von 1787/88 gegen Reformversuche der frz. Krone.

· Hunger- und Wirtschaftskrise

· Hohe Arbeitslosigkeit

· Aufstände gegen hohe Brotpreise

· Diese Krise sollte nun durch die Einberufung der Generalstände überwunden werden.



Die Französische Revolution – Ereignisse und Chronologie

1. Die konstitutionelle Revolution

· Grundsätzlich wird die F.R. in mindestens drei Phasen unterteilt:

Die konstitutionelle Revolution (1789-1791), die jakobinische Revolution (1792-1794), die Direktorialzeit (1795-1799)

· Vorgeschichte zu den Generalständen:

Die Finanzprobleme sollen mit Zustimmung der Parlaments gelöst werden. Diese obersten Gerichtshöfe (Adlige)stellen sich aber gegen den König. Zum Gesetz wird des Königs Wille in F nur, wenn die Parlaments es registrieren. Der Herrscher betrachtet dies als reinen Verwaltungsakt. Im Juli 1787 verweigert das Parlament die Registrierung der erhöhten Stempelsteuer. Diese Abgabe wird auf alle Drucksachen erhoben, die einen offiziellen Stempel brauchen (Urkunden, Rechnungen, Wechselbriefe, Heirats- und Todesanzeigen). Zwei Wochen später lehnt das Parlament auch die Registrierung der allgemeinen Grundsteuer ab. Sie verlangen stattdessen die Generalstände einzuberufen. Nur die Vertretung der ganzen Nation könne neue Steuern beschließen. Ludwig ordnet die Zwangsregistrierung der Steuergesetze an, doch die Parlaments erklären dies für unrechtmäßig. Schließlich muss die Krone nachgeben, denn niemand will der Regierung mehr Kredit geben.


· Am 5. Mai 1789 sollten die Generalstände in Paris zusammentreten.

· Ludwig XVI forderte seine Untertanen auf, ihre Kritik und Probleme, Bedürfnisse in Beschwerdeschriften zu formulieren.

· Diese Beschwerdeschriften gehören zu den interessantesten und wichtigsten Quellen der Frühphase der Revolution.

· Sie geben uns Aufschluss über die Einschätzungen und Mentalitäten der unterschiedlichen Gruppierungen.

· Durch die meisten Beschwerdeschriften wird deutlich, dass die Monarchie als Staatsform nicht in Frage gestellt wurde.

· Es gab sehr unterschiedliche Klagen : Begrenzung der Steuerlasten, Aufhebung von gewissen Feudallasten, Einschränkung der Macht der Beamten des Königs, Vereinheitlichung des Rechts in Frankreich, z.T: Ausarbeitung einer Verfassung für Frankreich.

· Inhalt der Beschwerdehefte war sehr heterogen.


· Im Juli 1788 hatte Lomenie de Brienne ein Dekret erlassen, dass von vielen Intellektuellen als Freigabe der Zensur gewertet wurde.

· Im Pamphlet von Sieyes (Was ist der Dritte Stand) vertrat er die Meinung, dass der dritte Stand alles leiste, aber keine politischen Partizipationsrechte besaß, die ihm eigentlich zustünden. Der Adel müsste als die Nation belastender Stand in seiner Macht beschränkt werden, der Dritte Stand mit der Ausarbeitung einer Verfassung in Frankreich betraut werden.

· Nicht nur in Paris , sondern auch in den Provinzstädten begannen sich politische Gesellschaften und patriotische Klubs herauszubilden.

· 1789 gründete sich in Paris der Jakobinerclub.:

Wurde benannt nach dem Hauptkloster der Dominikaner. Überall in den Provinzstädten Frankreichs wurden politische Clubs nach dem Vorbild des Pariser Jakobinerclubs gegründet. Zunächst ging es den Jakobinern um eine Ausarbeitung einer Verfassung für Frankreich. Nach der Flucht des Königs nach Varennes radikalisierte sich der Klub und wart treibende Kraft der Terreur in Frankreich. Der Pariser Jakobinerclub wurde offizielle am 11. November 1794 geschlossen.

· Zu Beginn des Jahres 1789 gab es nur 6 politische Zeitungen, in den nächsten Monaten gab es weit mehr als 130 neue Zeitungstitel. Viele waren sehr kurzlebig.

· Zum wichtigsten Klub gehörte der Pariser Jakobinerklub, der sehr elitär war.

· Etwas basisdemokratischer waren die Cordeliers, zu ihm zählten Marat und Camille Desmoulins und auch Frauen wurden hier aufgenommen.

· Wichtigstes Zentrum der Revolution blieb Paris mit über 600.000 Einwohnern.


Ereignisse:

· 5. Mai 1789: Generalstände traten zusammen. Erster und Zweiter Stand führten Wahlen in den Bezirksversammlungen durch. Angehörige von Adel und Klerus mind. 25 Jahre alt, konnten gewählt werden.

· Als Abgeordnete des Dritten Standes waren Bürger und Bauern wählbar, die männlich, älter als 25 Jahre waren und ein steuerpflichtiges Mindesteinkommen aufzuweisen hatten. – ein Zensuswahlrecht

· Die Vertreter des Dritten Standes wählten wiederum Wahlmänner, die aus ihrer Mitte Repräsentanten für die Generalstände des Dritten Standes ernannten.

· Die revolutionäre Entwicklung entstand als das Wahlprüfungsverfahren bekannt wurde mit einer Abstimmung nach Köpfen.

· 17. Juni 1789: Dritter Stand erklärt sich zur Nationalversammlung.

· 20. Juni: Vertreter des Dritten Standes versammeln sich im Versailler Ballhaus und schwören nicht eher auseinander zu gehen bis eine Verfassung für Frankreich ausgearbeitet worden sei.

· Eine Mehrheit des Ersten Standes beschloss sich dem Dritten Stand anzuschließen, der Zweite Stand verweigerte sich.

· Da sich die Versammlung nicht auflösen ließ, befahl der König dem Ersten und Zweiten Stand der NV am 27. Juni 1789 beizutreten.

· 9. Juli 1789: Erklärung zur verfassungsgebenden Nationalversammlung.

· Die Reaktion des Königs, Truppen in Versailles zusammenziehen zu lassen und die Entlassung des populären aus dem Bürgertum stammenden Minister Necker, begegneten die Pariser und Versailler Massen durch einen Volksaufstand.

· 14. Juli 1789: Sturm auf die Bastille (Staatsgefängnis)

· Unterstützt wurde diese Aktion durch eine Bürgermiliz.

· Der Gouverneur der Bastille (de Launay) wurde ermordet.

· 15. Juli 1789: Lui ernennt Jacques Necker wieder zum Finanzminister und Loui musste sich die blau-weiß-rote Kokarde anheften. (Symbol der Revolution)

· Juli 1789: Revolution der Landbevölkerung (Plünderung von Schlössern, Urkunden zerstört) Granden Peur!!!! Man vermutete ausländische Söldner im Namen der frz. Krone, die den Bauernaufstand niederschlagen würde.

· 5. August: Privilegien des Ersten und Zweiten Standes werden abgeschafft. (Persönlichen Vorrechte des Ersten und zweiten Standes werden beseitigt wie Privilegien bei Vergabe von staatl. Ämtern, Jagdrecht, Recht zum Aufstellen von Taubenschlägen, Patrimonialgerichtsbarkeit -> eigene Gerichtsbarkeit der Adligen) Alle Abgaben hingegen sollten freigekauft werden.

· Zwischen 1789 und 1791 wurde die erste Verfassung Frankreichs, die einer konstitutionellen Monarchie erarbeitet.

· 26. August 1789: NV verkündet Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte: Freiheit, Gleichheit/Rechtsgleichheit, Sicherheit des Meinungs- und Pressefreiheit und damit Aufhebung der königlichen Zensur. Hierin sind bereits die Volkssouveränität wie von Rosseau und die Gewaltenteilung von Montesquieu formuliert.

· Frauenrechte waren nicht inbegriffen. Galten auch nur für weiße Männer.

· Demokratie und Menschenrechte im modernen Sinne gehörten in der F.R. noch nicht zum offiziellen Diskurs der Zeit.

· Olympe de Goughes verfasste 1791 die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin. Sie stand den Girondisten nahe und wurde während der Terreur mit der Guillotine 1793 hingerichtet.

· Loui verweigerte zunächst seine Zustimmung zu den Bürger- und Menschenrechten.

· 5.okt. 1789 : marsch von 7000 Pariser Frauen nach Versailles wegen massiver Preissteigerung für Brot und Zusammenziehung von Truppen um Versailles.

· Wollen König und königl. Familie zurück nach Paris holen.

· Innerhalb der NV entstanden Vorläufer moderner Parteien:

1. Aristokraten: hielten am Ancien Regime fest

2. Monarchisten: für konstitutionelle Monrachie

3. Radikalere Fraktionen wie Jakobinerklub und Klub der Corderliers

· April 1790 königlichen Livres (pfund) wurden in Assignaten ersetzt.

· Finanzielle Grundlage bildeten die säkularisierten Kirchengüter. Kirche wurde von NV am 2. Nov. 1789 enteignet und ihre Güter an frz. Bürger verkauft. Pfarrer und Bischöfe wurden fortan nicht mehr von der Kirche, sondern vom frz. Staat besoldet.

· Die konstitutionelle Revolution vollzog sich auf unterschiedlichen Ebenen und wurde von unterschiedlichen Gruppierungen getragen.

· 1789 gab es drei Revolutionen:

1. Politische mit der Erklärung des Dritten Standes zur NV mit Säkularisierung der Kirchgüter

2. Städtische Revolution mit städt. Mittel- und Unterschichten gegen steigende Brotpreise

3. Ländliche Revolution. Grande peur + Folgen

· Alle Revolutionen vollzogen sich nicht unabhängig voneinander, sondern standen in engem Zusammenhang und halfen sich auch gegenseitig.

· Sie waren aber in unterschiedlichen Zielen und Motiven geprägt.

· Inspiriert waren sie aber von den Ideen der Aufklärung, v.a. die politische Revolution. Stütze sich aber auch auf die Verfassungstexte der USA.

Radikalisierung der Revolution (1791-1792)

· Nach Furet und Richet hätte sich die Revolution nach 1791 konsolidieren können.

· Aber es gab Panik vor einer Konterrevolution und vor einer Verschwörung der Aristokratie und des Auslandes.

· Nachdem die königliche Familie in die Tuilerien zurückkehren musste, wurde im Frühjahr 1791 deren Flucht ins Ausland vorbereitet.

· Ludwig XVI hatte Errungenschaften der NV nur widerwillig zugestimmt und viele Entscheidungen mit seinem Veto blockiert.

· Im Ausland sollte eine Koalition gegen die Revolution geschmiedet werden.

· Am 20. Juni 1791 verließ die königliche Familie den Louvre. Einen Tag später wurde die Flucht des Königs in Varennes nahe der Grenze zum Heiligen Römischen Reich beendet.

· Ludwig XVI galt fortan als Verräter der Revolution.

· Unterstützt wurde dieses Gedankengut vorher schon, da viele frz. Aristokraten ins Ausland emigriert sind.(Prinz von Condé)

· Weitere Radikalisierung: am 17.Juni 1791 initiierten die Cordeliers eine antimonarchische Kundgebung auf dem Champs de Mars. Ihre Forderung war eine demokratischere Verfassung.

· Die Demonstration der Cordeliers wurde durch die von LaFayette geführte Nationalgarde auseinandergejagt. Es gab Tote auf beiden Seiten. Das Bündnis der revolutionären Fraktionen war zerbrochen.


Marquis de Lafayette

· Wurde 1771 Mitglied der Schwarzen Musketiere (Teil der Haustruppen des frz. Königs)

· 1777 bildete er ein Freiwilligencorps mit dem er den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg unterstützte.

· 1789 wurde er als Mitglied des zweiten Standes in die Generalstände gewählt.

· Er unterstützte die Proklamation der Menschen – und Bürgerrechte und verbreitete die Ideen der Amerikanischen Revolution.

· Am 13. Juli 1789 wurde Lafayette zum Präsidenten der NV gewählt.

· Er gründete im gleichen Jahr den Club der Feuillants.

· Nach der Flucht des Königs und dem Massaker auf dem Marsfeld musste Lafayette als oberster Kommandeur der Nationalgarde zurücktreten.

· Er verlor an Popularität.



· Die im September 1791 erlassene Verfassung zu einer konstitutionellen Monarchie war Ende 1791/Anfang 1792 längst überholt.


Verfassung von 1791

· Ludwig wurde fortan als „Ludwig von Gottes Gnaden und der Staatsverfassung König der Franzosen“ genannt. Die Souveränität hatte sich vom König Richtung Volk verschoben.

· König durfte seine Minister ernennen, jedoch waren diese der NV verantwortlich.

· Das Wahlrecht war ein Zensuswahlrecht (wer ein bestimmtes Grundeinkommen, Vermögen nachweisen konnte)

· Wahlberechtigte waren Männer über 25 j, und mussten eine direkte Steuer von 2-3 Livres jährlich zahlen. Die Wahlmänner mussten bis 10 Livres zahlen, um als Wahlmänner fungieren zu können.

· In der 745 Abgeordnete zählenden gesetzgebenden Versammlung, die am 1. Oktober 1791 an die Stelle der Konstituante oder gesetzgeb. NV getreten war, standen sich Feuillants und Brissotins gegenüber.

· Feuillants waren moderate Royalisten und Anhänger einer starken, abder durch die NV begrenzten konstitutionellen Monarchie. Sie waren aus dem Jakobinerclub ausgetreten.

· Brissotins später Girondisten. Einigen ging die konstitutionelle Monarchie nicht weit genug. Sie wollten eine Verurteilung des Königs.

· Beide Lager vertraten in der Legislative jedoch nicht die revolutionären Massen von Paris, die Sansculotten. Und auch nicht die späteren Führer der Jakobinerdiktatur.

· Die Jakobiner gingen daher mit den Sansculotten immer wieder Zweckbündnisse ein.

· Die Situation in F. radikalisierte sich nicht nur durch die Spaltung des revolutinären Lagers sondern auch durch eine Bedrohung von außen.

· Die Ausbreitung der Revolution auf ganz Europa führte am 27. August 1791 zur Erklärung von Pillnitz:

Die Koalitionsmächte Europas allen voran Preußen und Österreich drohten dem revolution. Frankreich mit Krieg, sollte es nicht die alte Ordnung (Ancien Regime) wieder herstellen.

Der König war für einen Krieg, da er hoffte, dass Europa das revolut. F besiegen würde.

· Robespierre spricht gegen den Krieg.

· Trotz aller Warnungen erklärte Frankreich am 20. April 1792 Böhmen und Ungarn den Krieg.

· Ludwig blockierte /taktierte mit seinem Veto die Beschlüsse der Legislative zur Vorbereitung des Krieges, d.h. zur Aushebung von Rekruten.

· Der Beginn des Krieges wurde zum Desaster für Frankreich.

· Die Gegner forderten den Wiedereinsatz von Ludwig XVI.

· Auch die Unterstützung der Nationalgardisten änderte die Lage für F..

· In Paris selbst formierte sich ab Juni 1792 großer Widerstand gegen den König, dem konterrevolutionäre Handlungen und Hochverrat vorgeworfen wurde. Der Rücktritt wurde gefordert.

· Am 10. August stürmten Sansculotten und Nationalgardisten die Tuilerien und setzten den König und seine Familie gefangen.

· Die Aufständischen erzwangen die Einberufung eines Nationalkonvents.(mit allgem. Wahlen aller Männer ab 21 J)

· Die konstitutionelle Monarchie wurde abgeschafft. Im September 1792 wurde die erste frz. Republik ausgerufen.

· Außenpolitisch brachte der Sieg der frz. Revolutionäre bei Valmy zunächst das Ende des Vordringens der antirevolut. Europäischen Koalition. Preußische Truppen kehrten nach Deutschland zurück.

· Zum grausamen Höhepunkt wurden die so genannten Septembermorde. Pariser Sansculotten drangen in die Gefängnisse ein und ermordeten über 1000 Konterrevolutionäre.(Priester, Aristokraten)


Gironde vs. Montagne

· Der Nationalkonvent (754 Abgeordnete) wurde beauftragt eine neue, republikanische Verfassung auszuarbeiten.

· Bis 1792 wurden die Revolutionäre, die für eine Republik waren, als Jakobiner bezeichnet.

· Ab 1792 spalteten sie sich in die politischen Lager der Gironde und der Montagne.

· Gironde: Mitglieder kamen aus den großen Hafenstädten Fs. (Süden).Marseille, Nantes und Bordeaux. Führende Vertreter: Brissot, Roland…

· Die Mehrheit der Montagnards kamen aus Paris. Zu ihr gehörten Robespierre, Saint-Just, Danton, Marat

Persönlichkeiten:

Maximilien Robespierre:

· Jurist

· Abgeordneter des Dritten Standes in den Generalständen

· Seit 1790 Vorsitzender des Jakobinerclubs

· Robespierre lehnte den Krieg zunächst ab, da er eine Schwächung der Revolution im Inneren befürchtete.

· Er gehörte im Wohlfahrtsausschuss zu den führenden Persönlichkeiten der Terreur. Dies waren diktatorische und antidemokratische Maßnahmen im Kampf gegen innere und äußere Feinde. Erst wenn diese besiegt sind, ist das frz. Volk reif für Freiheit und Demokratie.

· Anfang Juni 1793 war er maßgeblich an der Ausschaltung der Gironde im Nationalkonvent beteiligt.


Georges Danton

· Entstammte dem kleinbürgerlichen Niveau.

· Ausbildung zum Advokaten

· War zunächst Mitglied im Club der Cordeliers

· Zum Republikaner wurde er nach der Flucht des Königs 1791.

· Den Sturz der Monarchie unterstützte er tatkräftig durch seine publizistische Propaganda.

· 1792 wurde er Justizminister und war maßgeblich am Aufbau des Revolutionstribunals beteiligt.

· Zusammen mit Camille Desmoulins bildete Danton die Dantonisten, die politisch als moderater als die Montagnards galten.

· Ab 1793 sprach Danton gegen die Terreur.Er versuchte das Todesurteil gegen Marie Antoinette zu verhindern und versuchte einen Ausgleich mit den Girondisten zu erreichen. Er führte Verhandlungen mit den preußisch- österreichischen Kriegsgegnern, um den Krieg zu beenden.

· 1794 erfolgte seine Hinrichtung aufgrund von „Käuflichkeit und Hochverrat“.


Jean Paul Marat

· Mediziner und Publizist

· Er wurde zum Märtyrer der radikalen Revolution.

· Mordhetzer gegen alles Konterrevolutionäre.


· Die Gironde versuchte bürgerlichen Interessen der Revolutionäre zu vertreten: Schutz des Eigentums, Verhinderung von Preisfestsetzungen. Die Gironde wollte eine weitere Radikalisierung der Revolution verhindern.


· Die Montagne verbündete sich phasenweise mit den Pariser Sansculotten. Für die Montagne standen der Erhalt der revolutionären Errungenschaften und die Beseitigung der konterrevolutionären Gefahr an erster Stelle.


· Weiterhin bildeten sich aus den Sansculotten die Enrages und Hebertisten., die weiter links standen. Die Enrages forderten z.B. eine Aufhebung des Privateigentums.


· Im Herbst 1792 waren sich Montagne und Gironde noch weitgehend einig bzgl. der Abschaffung der konstitutionellen Monarchie und der Ausrufung der Republik.


· 1793 zerbrach die Einigkeit. Neben Uneinigkeit im Umgang mit Preissteigerungen war auch das Schicksal des Königs. Die Gironde wandte sich gegen die Todesstrafe von Louis Capet.


· Der Nationalkonvent (gleichzeitig höchstes Gericht F) sprach sich mit 387 Stimmen von 718 Stimmen für eine Hinrichtung aus. Am 21. Januar 1793 wurde Ludwig öffentlich hingerichtet.


· Die Exekutive war nun eng an den Nationalkonvent gebunden. Eine wirkliche Trennung gab es nicht.


· Außenpolitisch gab es zwischen der Gründung der Republik und dem Sturz der Gironde:


- Erfolgreiche Verteidigung der Grenzen Frankreichs

- Versuch von Expansion

- Ab 24. Feb. 1793 kam es zu Zwangsaushebungen von Soldaten in allen Provinzen Frankreichs. (Levee en masse), bei dem über 300.000 sogenannte Freiwillige aus alle Departements zu Verteidigern des rev. Frankreichs erklärt wurden. (alle unverheirateten oder verwitweten, kinderlosen Männer zwischen 18 und 25 Jahren sollten zu den Waffen greifen, verheiratete Männer sollten Waffen herstellen).

· Am 29.September 1792 brach ein Teil der frz. Rheinarmee einen Feldzug gegen die Fürstentümer des Heiligen Römischen Reiches am Rhein.

- Oktober 1792: Reichsstädte Worms und Speyer wurden eingenommen.

- 21. Okt. 1792: Mainz wurde eingenommen.

- Im Dezember 1792 wurde die erste Republik in Mainz ausgerufen mit eigenem Bestimmungsrecht

- Doch das Dekret des frz. Nationalkonvents wollte den Mainzern ihr Selbstbestimmungsrecht aberkennen. Am 30. März 1793 wurden die Gebiete von F annektiert.

- Doch zur gleichen Zeit wurde das Gebiet von preuß. Truppen überrannt und die frz. Belagerung kapitulierte.

- Das Ende der Mainzer Republik war damit gescheitert.

- Durch die Hinrichtung des Königs wurden der europäischen Koalition (Österreich und Preußen) weitere Verbündete zugespielt: Großbritannien, Niederlande, Spanien, Neapel.

- Zwischen 1793 und 1794 musste Frankreich Niederlagen erleiden: es verlor seine Eroberungen in den südlichen Niederlanden und im Rheinland.

- Innenpolitisch löste die Hinrichtung des Königs konterrevolutionäre Aufstände aus. (südliche Bretagne, Marseille und Lyon)

Die Terreur

- Die Regierung in Paris und der Nationalkonvent reagierten auf die Aufstände in der Vendee mit der Errichtung eines Revolutionstribunals (10. März 1793), welches das Ziel verfolgte, konterrevolutionäre Verbrechen schnell abzuurteilen und die Delinquenten auf der Guillotine hinzurichten.

- In ganz Frankreich wurden so genannte Wachsamkeitskomitees eingerichtet:
Ziel: konterrevolutionäre Aktionen und Paris zu denunzieren und Protagonisten verhaften und hinrichten

- Getragen von: Radikalen des Nationalkonvents (Vertreter der Montagne), Feinden der Revolution sollte Angst eingeflößt werden. Angst als Mittel zum Zweck

- Abgelehnt von Gironde: versuchten Radikalisierung zu verhindern.

- Aus dem Nationalkonvent heraus wurde der Wohlfahrtsausschuss gebildet:

- Wann: 6. April 1793

- Ziel: Überwachung politischer Gegner, Zwangsmaßnahmen zur Rettung der Revolution

- Ursprüngliches Ziel: zur besseren Kommunikation zwischen Nationalkonvent und Ministern der Revolutionsregierung

- Wohlfahrtsausschuss übernahm in der Realität die Regierungsgeschäfte und schaltete die Kompetenzen der regierenden Minister weitgehend aus.

- Führende Vertreter: Georges Danton, Maximilien Robespierre, Antoine Saint-Juist

- Bis zum 27. Juli 1794 , Sturz Robespierres, führte der Wohlfahrtsausschuss sämtliche Regierungsgeschäfte. (Exekutive)

- Gesetze: Erlassung des Gesetzes über das Allgemeine Maximum: Festsetzung der Preise und Löhne. Für die wichtigsten Grundnahrungs- und Verbrauchsmittel wurden Höchstpreise benannt, Wucherer und Hamsterer konnten auf der Grundlage des Gesetzes mit dem Tode bestraft werden.

- Gegen diese ersten Anzeichen von Zwangsherrschaft und Diktatur liefen Vertreter der Gironde Sturm. Ein führender Vertreter sagte: Dass Paris im Falle eines erneuten Volksaufstandes und einer weiteren Radikalisierung der Revolution dem Erdboden gleichgemacht werden sollte.

- 1793 reagierten die Sansculotten mit eben diesem Volksaufstand.

- Die Montagne hatte gemeinsam mit den Pariser Sansculotten gesiegt.

- Zum eigentlichen Motor der Revolution wurden nach den Ereignissen vom Juni 1793 die Sansculotten , die dann mit der Montagne die Terreur (Schreckensherrschaft) durchsetzten.

- Denn: Das Gesetz gegen die Verdächtigen erlaubte es ab dem 17. September 1793 alle der Konterrevolution Verdächtigen zu überwachen, denunzieren und im Schnellverfahren zu verurteilen.

- Hinrichtungen mittels der Guillotine wurden ab Herbst 1793 zum Dauerspektakel.--à Hinrichtung von Vertretern der Gironde

- Nach der Ausrufung der ersten Republik im September 1792 hatte der Nationalkonvent eine neue, republikanische Verfassung in Auftrag gegeben, die am 24.Juni 1793 verabschiedet, aber nicht in Kraft gesetzt wurde.

- Grundlage: Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789, Recht auf Eigentum, Widerstandsrecht gegen eine tyrannische Herrschaft, allgemeines und gleiches Wahlrecht für Männer über 21 Jahre

- In Kraft trat die Verfassung nicht, da die Montagne erklärte, dass die Situation in und an den Grenzen Frankreichs es nicht erlaubte, freiheitlich-demokratische Gesetze umzusetzen, da diese von Konterrevolutionären missbraucht werden könnten.

- Frankreich sollte bis zum Frieden innerhalb und außerhalb seiner Grenzen revolutionär sein.

- Insgesamt wurden 50.000 Menschen, 0,2 % der Gesamtbevölkerung, unter der Terreur hingerichtet.

War die Französische Revolution einer Kulturrevolution?

- Der christliche (gregoriansiche) Kalender wurde durch eine neue, revolutionäre Zeitrechnung ersetzt.

- Der 22. September 1792 stellte nun den Beginn des Jahres I der Republik dar.

- Statt Wochen gab es Dekaden, ein Ruhetag war nur noch alle 10 Tage vorgesehen.

- Es gab nun republikanische Monate in der Terreur, die nach den klimatischen Besonderheiten benannt wurden: Brumaire (Nebelmonat), Frimaire (Frostmonat), Thermidor (Hitzemonat),

- Der Revolutionskalender hatte bis 1805 Bestand.

- Ebenso gab es ein neues Maßsystem für Gewichte, Strecken à nach Dezimalsystem



Ebenso kam es zwischen 1793 und 1794 zu einer Welle von Dechristianisierung:

- Diese wurde aber von der Montagne nicht getragen, sondern man vermutete einen Akt der Sansculotten dahinter.

- Die Kritik richtete sich gegen: Dekadenz und Privilegien des Klerus, Ritus der kath. Kirche

- Robespierre ging dies zu weit, er war für Religionsfreiheit.

- Ab Winter 1793 ging die Montagne vermehrt gegen links vor: Robespierre und seine Anhänger witterten konterrevolutionäre Verschwörungen auf allen Seiten.

- Die Schläge nach links und rechts führten zu einer immer kleiner werdenden Machtbasis der verbleibenden Führungsriege der Montagne.

- Ab Juni 1794 formierte sich eine Verschwörung gegen diese Riege.

- Es folgten die Hinrichtungen von Saint-Juist und Robespierre.


Die Reaktion im Thermidor

- Innerhalb der Gruppe der Thermidorianer kam es zunächst zu Säuberungen. Den linken Verschwörern wurde der Prozess gemacht und die Instrumente der Jakobinerdiktatur wurden beseitigt.

- Die Ausschüsse der Revolutionsregierung wurden aufgelöst und 16 neue Komitees geschaffen und die Girondisten wurden wieder in den Konvent aufgenommen. Das Maximum wurde 1794 wieder aufgehoben.

- Dennoch gab es keine Ruhe. Im Winter 1794/95 kam es abermals zu einer Hungerkrise durch Missernten und Preisspekulationen.

- Außenpolitik: Frankreich setzte wieder auf Expansion und die Befestigung seiner natürlichen Grenzen. (das linke Rheinufer einschließlich Mainz wurde wieder besetzt, ebenso die Niederlande, weiterhin wurden 1795 Friedensverträge zwischen Spanien und Frankreich und Preußen und Frankreich geschlossen.

- Die Verfassung des Jahres I wurde von einem Großteil der Thermidorianer als zu demokratisch gewertet, sodass der Auftrag für eine neue Verfassung gegeben wurde: der so genannten Direktorialverfassung

- Neuerungen: diese Verfassung orientierte sich an den Interessen der liberalen und moderaten gehobenen Bourgeoisie. Kein allgemeines Wahlrecht für Männer ab 21 Jahre, neue Legislative wurde geschaffen, die sich am antiken römischen Vorbild orientierte. Es gab einen Rat der 500 und einen Rat der Alten (Senat) mit 250 Mitglieder. Der Rat der 500 arbeitete die Gesetze aus und der Rat der Alten nahm sie an oder lehnte sie ab. Jedes Jahr sollte ein Drittel dieser beiden Kammern durch Wahlen neu bestimmt werden. Als Exekutive (Regierung Frankreichs) fungierte ein Direktorium aus 5 Männern. Jedes Jahr wurde ein Mitglied des Direktoriums neu gewählt.( 10 Männer aus dem Rat der 500 wurden vorgeschlagen und der Rat der Alten bestimmte einen für das Direktorium. Alle drei Monate wurde innerhalb des Direktoriums ein neuer Präsident bestimmt.

- Nach diesem Direktorium benennt sich die Zeit zwischen 1795 und 1799 als Direktorialzeit.

- Auch in der Direktorialverfassung waren die drei Gewalten nicht klar voneinander getrennt.

- 2/3 des Rats der 500 und des Rats der Alten wurden durch Mitglieder des Thermidorkonvents neu gewählt und dann besetzt. Man wollte somit einen Staatsstreich durch die Royalisten vorbeugen und die Revolution und Demokratie stärken.

- Die Royalisten reagierten mit einem Aufstand, der von den bürgerlichen Vierteln von Paris getragen wurde. Es gelang eine Zerschlagung mit Hilfe von General Napoleon Bonaparte.

- 1795 wurde das erste Direktorium als neue Regierung Frankreichs gewählt.



Das Direktorium

· Die Verfassung des Jahres III war weit weniger demokratisch als noch die Verfassung des Jahres I, trotzdem erlaubte das Zensuswahlrecht weit mehr männlichen Franzosen den Zugang zu den Wahlurnen als die konstitutionelle Verfassung von 1791.

· Die ersten fünf Direktoren waren: Jean-Francois Reubell, Barras, Louis Marie de La Revelliere-Lepeaux, Carnot, und Louis Francois Honore Letourneur à alle waren Republikaner und keine Royalisten. Der Sitz war im Palais in Luxemburg

· Weitere Unruhen durch links und rechts à Bonaparte ging dagegen vor. Ziele sollten sein: Errichtung einer agrarkommunistischen Gesellschaft mit Abschaffung des Privateigentums, gleiche Verteilung aller Produkte, Etablierung größtmöglicher Demokratie.

· Zwischen 1795 und 1797 schien Ruhe in das politische System F eingekehrt zu sein.

· Man leitete wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Stützung der Direktorialdemokratie ein: Abschaffung der Revolutionsassignaten (Papiergeld der Revolutionszeit) mit Ersetzung durch Territorialmandate, ein Jahr später mit Einführung des Franc.

· Auch die Royalisten schienen zunächst ausgeschaltet zu sein.

· Aber 1797 intensivierte sich die Furcht der Direktoren vor der wachsenden royalistischen Opposition mittels der Presse.

· Mit Hilfe des Militärs wurden den Royalisten nahestehende Vertreter aus beiden Räten entfernt und wegen Hochverrats angeklagt.

· Dem fünften Direktor Carnot gelang die Flucht.

· Das erste Direktorium war am Ende. Es gab nun ein Triumvirat aus Barras, Reubell und La Revielliere, die nun regierten.

· Die Anzahl der neojakobinischen Blätter wuchs rasch an.

· Das Direktorium setzte infolgedessen 1798 Verbote gegen die Presse durch.

· 1799 kam es zu einem weiteren Staatsstreich, denn es wurde die Demissionierung zweier Direktoren erzwungen.

· Sieyes, neuer Direktor, wollte den Einfluss der Neojakobiner auf die Regierung ein für alle Mal beenden.

· Dafür suchte er die Unterstützung des Militärs. Zum wichtigsten Unterstützer Sieyes wurde Napoleon Bonaparte.

· Doch Napoleon führte einen Staatsstreich gegen das Direktorium und die beiden Kammern der Legislative durch.

· Die Direktoren wurden zur Demissionierung gezwungen.

· Im Dezember 1799 wurde das provisorische Konsulat aus Bonaparte, Sieyes und Ducos etabliert.
 
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